Hochrechnung Am Himmel strahlen 70 Trilliarden Sterne

Wie viele Sterne enthält das Universum? Astronomen haben eine neue Hochrechnung wenigstens für den sichtbaren Teil des Weltalls vorgelegt: Das Ergebnis ist ein Zahlenungetüm mit 22 Nullen.


Hubble-Aufnahme des Galaxienhaufens Abell 1689: Umwerfende Sternenzahl
NASA/ STScI

Hubble-Aufnahme des Galaxienhaufens Abell 1689: Umwerfende Sternenzahl

Geahnt haben wir es schon immer: Im Universum existieren mehr Sterne als Sandkörner an allen Stränden und in allen Wüsten der Erde. Doch was vorher nur vage Vermutung war, wird jetzt von einer hochwissenschaftlichen Schätzung untermauert. Die neue Hochrechnung ist, so ihre Urheber, die bislang genaueste Annäherung an die Gesamtzahl aller sichtbaren Sterne.

Nach Untersuchung einer kosmischen Stichprobe kamen die Forscher um Simon Driver von der Australian National University zu dem Ergebnis, dass das erkennbare Weltall rund 70 Trilliarden Sterne enthält. "Selbst für einen professionellen Astronomen, der regelmäßig mit Zahlenungetümen umgeht, ist das umwerfend", sagt Driver, der die Schätzung am Dienstag auf dem Treffen der Internationalen Astronomischen Union in Sydney präsentierte. Aus der enormen Menge ist mit bloßem Auge jedoch nur eine Auswahl von maximal 5000 Leuchtpunkten am Nachthimmel zu erkennen.

Driver und seine Kollegen hatten alle Galaxien in einer kleinen, der Erde relativ nahe gelegenen Region des Universums gezählt. Mit einigen der leistungsstärksten Observatorien der Welt, darunter dem Anglo-Australian Telescope in Südostaustralien, bestimmten die Forscher die genaue Helligkeit der Galaxien. So konnten sie zunächst die Sternenzahl in dieser kosmischen Zone schätzen und daraus wiederum einen Wert für das gesamte sichtbare Weltall ableiten.

Das Ergebnis ist, so glauben die Forscher, zehnmal genauer als frühere Schätzungen - es beruht auf den neuesten kosmologischen Modellen und der bisher größten Galaxienzählung, dem "2dF Galaxy Redshift Survey". Dennoch gilt es nur für den Bereich des Universums, der mit Teleskopen einsehbar ist. Was hinter dieser Grenze liegt, können auch Driver und seine Kollegen nicht sagen. "Die tatsächliche Sternenzahl könnte noch viel, viel größer sein", so der Experte. "Manche glauben, sie ist unendlich."

Die wahrhaft astronomische Größenordnung bedeutet auch, dass im Weltall unvorstellbare Mengen von Trabanten kreisen könnten. Driver: "Die meisten dieser Sterne haben wahrscheinlich Planeten, von denen ein Bruchteil vermutlich Leben beherbergt." In den allermeisten Fällen dürfte dieses aber, so der Forscher, jenseits unserer Reichweite liegen: "Die Frage lautet weniger, ob andere Lebensformen existieren, sondern ob wir bei den gewaltigen Distanzen jemals in der Lage sein werden, Kontakt zu ihnen aufzunehmen."



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