Forschungsprojekt in Nöten So soll der Mars-Maulwurf doch noch buddeln

Seit Ende Februar steht ein Experiment deutscher Forscher auf dem Mars still: Beim Versuch, sich ins Gestein zu hämmern, war es zu Problemen gekommen. Nun gibt es eine Strategie, wie es doch noch klappen soll.
Der Mars-Maulwurf "HP3"

Der Mars-Maulwurf "HP3"

Foto: DPA / NASA / JPL-Caltech

Schon nach 30 Zentimetern war Schluss. Dabei sollte sich das Messgerät "HP3" auf der Marssonde "Insight" doch eigentlich bis zu fünf Meter tief in den Boden des Roten Planeten vorarbeiten. Es ging um die Frage, wie der Wärmetransport aus dem Inneren des Himmelskörpers genau funktioniert. Diese Information ist wichtig, wenn man im Boden des Mars' nach flüssigem Wasser suchen möchte - und damit womöglich auch nach einfachen Lebensformen.

Doch schon kurz nach dem Start des Hämmerns in den Boden der Ebene Elysium Planitia nördlich des Marsäquators gab es Ende Februar unerwartete Probleme. Womöglich sei der Mars-Maulwurf im Untergrund auf einen Stein getroffen, hieß es damals. Seitdem haben Wissenschaftler und Techniker am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen und am zur US-Weltraumbehörde Nasa gehörenden Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Bundesstaat Kalifornien) in speziellen Sandkisten getestet, wie sich das Gerät doch noch retten ließe. Nun haben sie eine Strategie vorgestellt.

"Wir sind uns mittlerweile ziemlich sicher, dass dem Maulwurf der mangelnde Halt im Boden zu schaffen macht", sagt der wissenschaftliche Leiter des Experiments, Tilman Spohn vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin. Das liege daran, dass die Reibung im staubigen Material an der Oberfläche des Mars vergleichsweise gering ausfalle.

Die Forscher mutmaßen, dass sich womöglich auch kleine spaltförmige Hohlräume zwischen Maulwurf und Boden ausgebildet haben könnten. Um das Problem zu lösen, wollen sie nun die auf dem Maulwurf sitzende Stützstruktur entfernen. Das soll der Roboterarm von "Insight" erledigen. Die Kommandos sollen in diesem Monat in drei Paketen zur Sonde geschickt werden, um jeden Schritt des Prozesses gut verfolgen zu können.

Mehr Druck durch den Roboterarm

Die Forscher hoffen darauf, dass sie ohne das Gehäuse besser erkennen können, wie es dem Maulwurf genau geht. Außerdem soll der Roboterarm auch unmittelbar helfen, indem er beim weiteren Hämmern zur Unterstützung auf den Boden drückt. "Durch die zusätzliche Last erhöht sich der Druck auf den Maulwurf und damit die Reibung an seiner Außenwand", so Spohn. Das sei gut. Die Berechnungen am DLR zeigten, dass man dafür aber nah an das Gerät heranmüsse. Deswegen sei es wichtig, die Stützstruktur zu entfernen.

Die Herausforderung dabei: Der Roboterarm darf den Maulwurf nicht aus dem Boden ziehen. Falls das doch passiert, können die Forscher das Gerät nämlich nicht wieder zurück ins Loch setzen.

Die Nasa-Marssonde "Insight" war Ende November vergangenen Jahres auf dem Roten Planeten gelandet. Die beiden wichtigsten Experimente stammen von internationalen Partnern. Deutschland war federführend bei "HP3", Frankreich bei einem Seismometer namens "Seis". Dieses Gerät soll Marsbeben aufspüren, ein erstes wurde im April registriert.

chs
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