"Hubble"-Reparatur Erfolg nach acht Stunden Dauerschrauben

Am Ende half nur noch rohe Gewalt: Acht Stunden haben zwei Astronauten am "Hubble"-Weltraumteleskop gebastelt, ehe sie ein wichtiges Instrument endlich repariert hatten. Nun trennt sie ein letzter Außeneinsatz vom erfolgreichen Abschluss ihrer schwierigen Mission.

Houston - Die Reparatur des Weltraumteleskops "Hubble" gilt als kniffeligste und komplizierteste Aufgabe überhaupt im All - die siebenköpfige Crew des US-Shuttles "Atlantis" hat sie bisher geradezu mit Bravour bewältigt. Am Sonntag gelang es Mike Massimino und Michael Good, einen defekten Spektrografen instand zu setzen.

Um an die Schalttafel des Spektrografen zu kommen, mussten Massimino und Good in achtstündiger Kleinarbeit 111 Schrauben lösen, mit denen die Deckplatte befestigt war. Anders als erwartet war das größere Problem aber ein verschlissener Bolzen an einem Handlauf, der den Zugang zum Space Telescope Imaging Spectrograph (STIS) versperrte. Massimino schlug den Griff schließlich mit Gewalt ab.

Nach dem achtstündigen Einsatz kann der Spektrograf, der seit 2004 nicht mehr funktionierte, wieder seine Arbeit aufnehmen. Das Gerät zerlegt Licht in sein Wellenspektrum und erlaubt damit die Beobachtung von Schwarzen Löchern sowie anderen Phänomenen des Weltalls.

Es war der vorletzte von insgesamt fünf geplanten Außeneinsätzen während des elftägigen Aufenthalts des Raumschiffs. Am Samstag war zwei anderen Astronauten ein wahres Kunststück gelungen: John Grunsfeld und Andrew Feustel schafften es, die "Advanced Camera" weitgehend wieder in Gang zu bringen, für die eine Reparatur im All eigentlich nie vorgesehen war. Der Einsatz verlief sogar reibungsloser und schneller als geplant. Einziger Wermutstropfen: Einer der drei Kanäle der reparierten Kamera funktionierte zunächst nicht.

Gefährliche "Gehirnoperation" im All

Die Astronauten bezeichnen solche diffizilen Einsätze gerne als "Gehirnoperationen". Sie gelten als riskant, weil die Raumfahrer mit den teilweise scharfen und spitzen Geräten ihre Handschuhe oder Weltraumanzüge beschädigen könnten. Am Samstag wurde zudem die "Brille" am Hauptspiegel des Teleskops demontiert, die 1993 die ganze "Hubble"-Mission gerettet hatte.

Das Korrektiv musste seinerzeit angebracht werden, weil "Hubble" zunächst nur verschwommene Bilder lieferte. Schuld daran war ein winziger Fehler im Schliff des Hauptspiegels. Das Instrument namens Corrective Optics Space Telescope Axial Replacement (Costar) schaffte es damals, diesen Makel auszugleichen, so dass "Hubble" später die Welt mit spektakulären Fotos etwa von kollidierenden Galaxien erstaunen konnte.

Am Montag steht der fünfte und letzte Außeneinsatz der "Atlantis"-Mission an, bei dem die Astronauten vor allem Batterien auswechseln müssen. "Hubble" schwebt seit 1990 im All und kostete bisher 6,9 Milliarden Dollar (5,1 Milliarden Euro). Wenn bei der Wartungsmission alles klappt, soll das Teleskop bis mindestens 2014 weiterarbeiten, ehe sein Nachfolger - das leistungsfähigere James-Webb-Teleskop - ins All gebracht wird.

Seit dem Beginn der Mission vor 19 Jahren hat "Hubble" rund 750.000 Aufnahmen aus dem All zur Erde geschickt. Wenn "Hubble" vollständig aufgegeben wird, will die US-Weltraumbehörde Nasa das Teleskop gezielt in den Pazifik abstürzen lassen. Ein unkontrollierter Absturz wird für zu gefährlich gehalten, weil Teile in besiedeltem Gebiet aufschlagen könnten.

Die Astronauten haben deshalb bei ihren Arbeiten rund 560 Kilometer über der Erde auch einen Haken montiert, an dem das Weltraumteleskop in einigen Jahren von einer Robotersonde gepackt werden soll, um den Absturz einzuleiten.

mbe/Reuters/AFP/AP/dpa
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