Hurrikan "Frances" Himmelsaugen durchleuchten Monstersturm

"Frances" verbreitet in den USA noch immer Angst und Chaos. Für Wissenschaftler aber hat sich der Wirbelsturm als wahre Schatztruhe erwiesen: Satelliten haben Daten geliefert, die bisher nur bei halsbrecherischen Flügen direkt durch einen Hurrikan gesammelt werden konnten.

Ein Hurrikan ist ein kompliziertes Monster. Im Grunde ist er nur ein mächtiger Sturm, der um ein Gebiet extrem niedrigen Luftdrucks wirbelt, Windgeschwindigkeiten von über 200 Kilometern pro Stunde entfachen und Trümmerteile in mörderische Geschosse verwandeln kann.

Die Prozesse innerhalb eines solchen Sturms aber sind komplex. Sie zu verstehen könnte Wissenschaftlern die Chance geben, den Zeitpunkt und das Ausmaß von Katastrophen besser vorherzusagen. "Frances" hat Meteorologen jetzt eine glänzende Möglichkeit zur Erforschung eines Wirbelsturms gegeben - aus sicherer Entfernung, mit Hilfe des Esa-Satelliten "Envisat". "Mit den Sensoren an Bord von Envisat können wir durch den Hurrikan hindurch schneiden", schwärmt José Achache, Direktor der Erdbeobachtung bei der europäischen Raumfahrtagentur Esa. "'Frances' wird zu Studienzwecken buchstäblich auseinander genommen."

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Satellitenbilder: Himmelsaugen durchleuchten "Frances"

Foto: ESA

Die "Envisat"-Daten enthalten nicht nur Informationen über Wolkenstrukturen und -höhen auf der Oberseite des Sturms, sondern auch über darunter liegende Winde und Wellenfelder sowie Temperaturen der Meeresoberfläche. "Wir erfassen sogar Anomalien im Wellengang", erklärt Achache. "Sie weisen auf thermale Bedingungen des Meeres hin, welche die Stärke des Sturms beeinflussen können."

In einem Hurrikan vermischen sich starke Winde an der Erdoberfläche und heftige Niederschläge mit starken Aufwinden und feuchter Luft in größeren Höhen. Die Energie wird in Form von Gewittern frei. Bisher gab es nach Angaben der Esa nur eine Möglichkeit, an derart detaillierte Daten zu kommen, wie sie "Envisat" jetzt geliefert hat: Man musste mit einem Flugzeug direkt durch einen Hurrikan fliegen.

Der Satellit bietet Forschern eine weniger gefährliche Möglichkeit zum Studium eines Wirbelsturms. Optische Instrumente erlauben die Beobachtung von Wolkenstrukturen und Druckverhältnissen in den Bereichen des sichtbaren und des Infrarotlichts. Radargeräte erfassen zugleich, wie rau es an der Meeresoberfläche zugeht, was Rückschlüsse auf die direkt darüber liegenden Winde ermöglicht. Sie geben einem Hurrikan seine charakteristische Spiralform.

Die Satelliten-Technologie könnte in Zukunft Leben retten, glaubt Hans Graber, Professor für angewandte Meeresphysik an der University of Miami und Direktor eines Instituts, das "Envisat"-Daten direkt bezieht. "Wir haben das Potenzial, große Mengen nützlicher Informationen zu erhalten, die dem National Hurricane Center der USA genauere Vorhersagen ermöglichen und die Gefahr für die Menschen verringern können."

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