Angebliches Waffensystem im All Indien verkündet Abschuss von militärischem Satelliten

Die Atommacht Indien zeigt Ambitionen im Weltall: In einer TV-Liveübertragung meldet Premier Modi den erfolgreichen Test eines militärischen Abwehrsystems.

Rakete vor dem Satish Dhawan Space Centre in Andhra Pradesh (Archivbild)
DPA

Rakete vor dem Satish Dhawan Space Centre in Andhra Pradesh (Archivbild)


Mit dem Abschuss eines Satelliten hat Indien nach eigenen Angaben erfolgreich ein neues militärisches Abwehrsystem getestet. Das erklärte Premierminister Narendra Modi in einer Ansprache, die live im indischen Fernsehen übertragen wurde.

Modi sprach von einem Moment des Stolzes für das Land. Die Nation sei eine Großmacht im All geworden und verfüge als weltweit eines von vier Ländern über ein solches Waffensystem.

Premier Narendra Modi live im TV: "Ein Moment des Stolzes"
NARINDER NANU / AFP

Premier Narendra Modi live im TV: "Ein Moment des Stolzes"

Die südasiatische Atommacht mit 1,3 Milliarden Einwohnern verfolgt seit Langem ein ambitioniertes Raumfahrtprogramm. Modi hatte im vergangenen Jahr angekündigt, Indien werde bis zum 75. Jahrestag der indischen Unabhängigkeit im Jahr 2022 als vierter Staat der Welt einen bemannten Flug ins Weltall starten. Im Juni 2017 konnte Indien einen Durchbruch feiern, als ein über drei Tonnen schwerer Satellit ins All geschossen wurde.

Bisher gibt es noch keine Daten, die Indiens Angaben bestätigen. Das US-Überwachungssystem Airforce Space Surveillance System hat wohl noch keine Trümmer sichten können. Eventuell ist am Abend mit ersten Auswertungen zu rechnen.

Bereits Mitte der Achtzigerjahre hatten die Amerikaner einen alten Forschungssatelliten vernichtet. Ähnliche Tests führte China im Jahr 2007 durch, als der veraltete Wettersatellit "Fengyun-1C" abgeschossen wurde. Damals warnten Experten vor der Wolke aus Tausenden kleinen Trümmerteilen, die eine Gefahr für andere Satelliten im All darstellen könnte.

Brahma Chellaney, Sicherheitsexperte beim Zentrum für Politikforschung in Neu Delhi, bezeichnete einen erfolgreichen Abschuss eines Satelliten durch Indien als Durchbruch. "Der Weltraum wird zum Kriegsschauplatz, damit werden Abwehrwaffen erforderlich."

In Indien droht derzeit der Streit mit Pakistan um die Region Kaschmir erneut zu eskalieren. Zuletzt kamen bei einem Schusswechsel mehrere Menschen im Grenzgebiet ums Leben. Um die Region wurden bereits zwei Kriege geführt. In einer Reaktion auf Indiens Test forderte das Nachbarland, dass das Weltall nicht militarisiert werden dürfe. "Das All ist das gemeinsame Erbe der Menschheit und jede Nation muss Handlungen vermeiden, die diese Region militarisieren könnten", hieß es aus Pakistans Außenministerium.

Zudem stehen in wenigen Wochen Parlamentswahlen in Indien an. Rund 900 Millionen Menschen sind wahlberechtigt. Modis hindu-nationalistische Partei BJP gilt als Favorit. Er würde bei einem Wahlsieg eine zweite fünfjährige Amtszeit als Regierungschef antreten.

joe/dpa



insgesamt 26 Beiträge
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darthmax 27.03.2019
1. Trümmerteile
schon jetzt sind die um die Erde kreisenden Trümmerteile ein Problem für die Raumfahrt, ich kann mich daher der indischen Euphorie nicht anschliessen. Immer wieder ist es aber doch fast irreal, das wir Entwicklungshilfegelder an Nationen geben, die Atommacht sind und technologisch mit uns zumindest gleichrangig sind.
Dres-- 27.03.2019
2. Formulierung
Ich befinde die Formulierung "Abschuss eines Satelliten" doch ... wie soll ich sagen... ziemlich daneben. Der "Abschuss" eines Satelliten bedeutet für mich, dass er zerstört oder "vom Himmel geholt" wurde. Daher würde ich die Formulierung "Start eines Satelliten" deutlich passender finden.
kuac 27.03.2019
3.
Von 11. Mai bis 19. April sind Wahlen in Indien. Modi will gewinnen. Das erklärt die Ankündigung jetzt. Ansonsten brauchen die Mehrheit der Inder Zugang zum sauberen Wasser und Toilette und keinen Krieg der Sterne.
kuac 27.03.2019
4.
Zitat von darthmaxschon jetzt sind die um die Erde kreisenden Trümmerteile ein Problem für die Raumfahrt, ich kann mich daher der indischen Euphorie nicht anschliessen. Immer wieder ist es aber doch fast irreal, das wir Entwicklungshilfegelder an Nationen geben, die Atommacht sind und technologisch mit uns zumindest gleichrangig sind.
"Entwicklungshilfegelder" werden gegeben ( Kredite) damit sie Produkte bei uns kaufen.
lesheinen 27.03.2019
5.
Indien hat die Atombombe gebaut, es baut Raketen und will den Weltraum erobern. Dafür ist Geld da. Andererseits tut es so, als sei es ein Entwicklungsland und erhält Entwicklungshilfe, in 2018 z. B. nur von deutscher Seite 765 Mio € (ohne Gelder von NGOs) - siehe http://www.bmz.de/de/laender_regionen/asien/indien/index.jsp. Ehrlich gesagt: Ginge es nach mir, gäbe es keinen Cent mehr. Zumindest gäbe es nur Geld für unmittelbar der Bevölkerung zu Gute kommende Projekte, aber nicht für die Förderung von Großmachtgehabe.
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