Nasa-Sonde "InSight" Forschungsroboter registriert Marsbeben

Die Forscher sind sich ziemlich sicher: Das, was die Sonde "InSight" am 6. April aufgezeichnet hat, war tatsächlich ein Marsbeben. Es wäre das erste Mal, dass solch eine Messung gelungen ist.

Selfie der Sonde "Insight" nach der Landung (Archivbild)
NASA/ JPL-Caltech/ EPA-EFE/ REX

Selfie der Sonde "Insight" nach der Landung (Archivbild)


Seit Ende November 2018 steht die Forschungssonde "InSight" auf dem Mars, in den Wochen danach hat sie mit einem Greifarm zwei Messinstrumente auf der Oberfläche abgesetzt. Nun hat eines von ihnen wahrscheinlich erstmals die Geräusche eines Bebens auf dem Roten Planeten eingefangen. Das schwache Tonsignal sei am 6. April aufgezeichnet worden, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit.

Das von dem seismischen Instrument der Sonde registrierte Zittern scheine eher aus dem Innern des Mars zu kommen als von Kräften auf seiner Oberfläche wie Wind zu stammen, hieß es weiter. Wissenschaftler sind der Nasa zufolge noch damit beschäftigt, die genaue Ursache des Signals zu erforschen.

Aus dem zuständigen Wissenschaftsteam heißt es, das Ereignis habe vermutlich weniger als 500 Kilometer von der Landestelle in der Ebene Elysium Planitia stattgefunden. Die seismischen Wellen seien stark gestreut. Das deute darauf hin, dass zumindest die obersten Kilometer der Marskruste - ähnlich wie auf dem Mond - von Meteoriteneinschlägen stark zerklüftet sind.

Auf der Erde werden solche Klüfte normalerweise nach und nach wieder chemisch verschlossen. Dafür ist Wasser verantwortlich. Es transportiert gelöste Mineralien, die dann sozusagen wie Dübelmasse funktionieren und die Kluft überbrücken. Auf dem Mars fände dieser Prozess wie auf dem Mond offenbar nicht statt, jedenfalls nicht in der Nähe der Landestelle, so ein beteiligter Forscher. Das Beben sei allerdings zu schwach gewesen, um damit das tiefe Marsinnere, also jenseits der obersten Krustenschichten, zu erforschen.

"Endlich ein Beweis, dass der Mars seismisch aktiv ist"

"Dieses Ereignis markiert offiziell den Beginn eines neuen Forschungsfeldes: der Erdbebenkunde des Mars", sagte "InSight"-Wissenschaftschef Bruce Banerdt vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena. "Wir haben seit Monaten auf ein Signal wie dieses gewartet", freute sich Philippe Lognonne, ein Erdbebenspezialist am französischen Institut de Physique du Globe de Paris (IPGP). "Es ist so aufregend, endlich einen Beweis zu haben, dass der Mars immer noch seismisch aktiv ist."

Die Forscher haben neben dem Signal vom 6. April noch drei weitere Signale registriert, die Zeichen von Beben sein könnten. Die Analyse sei hier aber noch nicht abgeschlossen.

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"InSight" soll für mindestens zwei Jahre das Innere des Mars erforschen und dabei vor allem mehr über dessen Aufbau und die Dynamik unter seiner Oberfläche in Erfahrung bringen. Der Roboter kann nicht rollen wie etwa der Rover "Curiosity", sondern bleibt an einem Ort. Im Dezember hatten Sensoren der Sonde laut Nasa Geräusche von Winden auf dem Roten Planeten eingefangen.

Die "InSight"-Mission kostet rund 650 Millionen Euro. Beteiligt ist auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Unter dessen Führung ist ein Gerät zur Erforschung des Hitzeflusses im Planeteninneren entwickelt worden. Dieser Mars-Maulwurf steht allerdings gerade still, wahrscheinlich weil er auf einen Stein im Untergrund getroffen ist. Experten suchen nun nach einer Strategie, um das Experiment doch noch zu retten.

chs/dpa

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
cindy2009 24.04.2019
1. Tonsignal?
Welches Tonsignal soll denn das gewesen sein? Ich kritisiere ja ungern die Redaktion von SPON, aber das kann nicht sein. Da wurde doch ein Seismisches Beben nur in Tonsignale übersetzt. Oder?
philosophus 24.04.2019
2. @cindy2009
Erdbeben genau so wie Gewitter, Meereswellen, Kraftwindanlagen und sogar Ihre Waschmaschine, erzeugen unter anderem Infraschall, welcher mehr zu fühlen als zu hören ist. Physikalisch ist jede regelmäßige Schwingung ein "Ton", ob 4Hz oder 40000Hz. Herzlichst...
Sissy.Voss 24.04.2019
3. Seien Sie doch nicht so kritisch
Zitat von cindy2009Welches Tonsignal soll denn das gewesen sein? Ich kritisiere ja ungern die Redaktion von SPON, aber das kann nicht sein. Da wurde doch ein Seismisches Beben nur in Tonsignale übersetzt. Oder?
Seien Sie doch nicht so kritisch. Der Artikel stellt in den ersten zwei Abschnitten deutlich heraus, dass die beteiligten Wissenschaftler sich völlig unsicher über die Quelle und Art des Signals sind. In den letzten Abschnitten rufen sie dann allerdings ein neues Forschungszeitalter aus, nämlich "Erd"beben auf dem Mars. So schnell kann´s gehen. Meine persönliche Meinung: da ist irgendwo in 100 km Entfernung ein 40-Tonner vorbeigerumpelt.
permissiveactionlink 24.04.2019
4. #2, philosophus
Nicht jede harmonische Schwingung ist ein Ton, sondern nur die Schwingung, die als Schall mit Schallgeschwindigkeit übertragen wird, die vom übertragenden Medium abhängt. So lassen sich im Vakuum keine Töne, sehr wohl aber Schwingungen übertragen, allerdings nur elektromagnetische Schwingungen. Schall ist immer an das Vorhandensein von Materie gebunden. In Gasen und Flüssigkeiten erfolgt die Energieübertragung dabei longitudinal, in Festkörpern auch transversal. Die Wellen, die nach oberflächlichen Sprengungen oder mehr oder weniger tief stattfindenden Beben durch die Erdschichten als Schallwellen ("Töne") laufen, können dabei von Mikrophonen aufgenommen werden. An Phasen- bzw. Grenzübergängen (z.B. Erdkruste/Erdmantel) kommt es dabei aufgrund verschiedener Schallgeschwindigkeiten auch zur Brechung ("Refraktion") der Wellen. Schallwellen gibt es auch im Inneren der Sonne, offenbar sogar stehende Wellen. Mit sehr empfindlichen Schallempfängern ("Seismischen Sensoren") wird weltweit die Einhaltung des Atomteststopp-Abkommens überwacht. Es sind stets Geologen, die die Zündung von Kims neuesten nuklearen Knallbonbons nachweisen, durch Messung von Schall, bzw. Tönen.
cindy2009 24.04.2019
5. @permissiveactionlink
"----können dabei von Mikrophonen aufgenommen werden----" Das ist auch wieder Unsinn. Aber Sie wissen es bestimmt besser, warum man trotzdem BewegungSensoren einsetzt. Statt einfach mal ein Ohr eines Elefanten hin zu halten. Das Wichtigste aber an Ihrer Lehrstunde haben Sie und Spon vergessen zu erwähnen. Ist aber offensichtlich nicht relevant. Ich will das nur kurz erwähnt haben : solche Signale kann man auf der Erde tatsächlich nur schwer vom Furzen eines Hundes in der Nähe des Messgerätes unterscheiden. So empfindlich ist die eingesetzte Technik.
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