Internationale Raumstation Kosmonauten kämpfen mit Leck – Luft entweicht

Wo ist das Loch? Die Crew der Internationalen Raumstation sucht seit Monaten nach der Ursache für einen Druckverlust – die Luftreserven werden knapp. Nun wird eine drastische Lösung diskutiert.
Nasa-Astronaut Chris Cassidy bei einem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation im Juli (Archivfoto)

Nasa-Astronaut Chris Cassidy bei einem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation im Juli (Archivfoto)

Foto: Nasa/Nasa / imago images/ZUMA Wire

Im russischen Teil der Internationalen Raumstation ISS kämpfen Kosmonauten wegen eines Lecks mit Problemen bei der Luftversorgung.

Die Raumfahrer müssten nun die undichte Stelle finden, weil die Sauerstoffreserven immer kleiner würden, meldete die Staatsagentur Tass nach einer Schalte zwischen der ISS und der Leitzentrale in Moskau. Es sei nicht klar, wo genau sich die undichte Stelle in einem Übergang zum Modul »Swesda« (russisch für Stern) befinde, sagte ein Experte auf der Erde. Das Problem mit Luftaustritt und Druckabfall in dem Modul gibt es seit August. Die Zeit laufe ab, das Problem müsse gelöst werden, hieß es bei der Flugleitzentrale.

»Es ist alles unter Kontrolle«, sagte der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, am Samstag. «Es gibt noch Reserven», beschwichtigte er. Im Februar fliege zudem ein neuer »Progress«-Raumfrachter mit Sauerstoffvorräten ins All. Sollte es notwendig sein, darüber hinaus die ISS mit zusätzlichem Sauerstoff zu versorgen, dann könnten die US-Partner bei der Nasa Sauerstoff mit einem eigenen unbemannten Transporter liefern.

Bereits im Oktober glaubte die Besatzung, in einem Übergangsteil des «Swesda»-Moduls den Riss gefunden zu haben. Die Raumfahrer hatten damals einen Teebeutel eingesetzt, der sich in der Schwerelosigkeit auf die undichte Stelle zubewegte. Die etwa 4,5 Zentimeter lange Öffnung wurde gestopft. Die Ursache für das Leck war aber unklar. Später stellte sich heraus, dass weiter Luft austrat. Auch ein Außeneinsatz im Weltall brachte im November nicht mehr Klarheit.

Roskosmos hatte stets betont, dass es keine unmittelbare Gefahr für die Besatzung der ISS gebe. Raumfahrtschef Rogosin sagte, es gebe ständigen Kontakt zur Crew. Nach seiner Darstellung könnten kleine Meteoriten auf den Korpus der Station einwirken und die »Ermüdungsprozesse« des Metalls beschleunigen. Einige der noch zu Sowjetzeiten – vor rund 30 Jahren – produzierten Module seien nur für einen Einsatz von 15 Jahren vorgesehen gewesen.

Die Station lasse nun wissen: »Es ist Zeit für mich, in Rente zu gehen«, meinte Rogosin. Zwar würden die Wunden weiter »geheilt«; es gehe aber dem Ende entgegen. Deshalb werde jetzt über einen neuen Außenposten der Menschheit nachgedacht. Rogosin meinte, dass die ISS noch bis 2024 sicher durchhalte, vielleicht auch bis 2028.

Auf der mehr als 20 Jahre alten Raumstation kommt es immer wieder zu Pannen. Zuletzt hatte es auch Probleme mit der Stromversorgung und der WC-Anlage gegeben. Auf der Station in rund 400 Kilometern über der Erde halten sich derzeit sieben Raumfahrer auf – zwei Russen, vier Amerikaner und ein Japaner.

oka/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Mehrfachnutzung erkannt
Bitte beachten Sie: Die gleichzeitige Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt. Wir behalten uns vor, die Mehrfachnutzung zukünftig technisch zu unterbinden.
Sie möchten SPIEGEL+ auf mehreren Geräten zeitgleich nutzen? Zu unseren Angeboten