Internationale Raumstation Klo-Krise im All

Gemischte Gefühle auf der Internationalen Raumstation: Nach langer Arbeit ist das größte Labor endlich komplett. Allerdings ist eine von zwei Toiletten kaputt - ausgerechnet jetzt, da mehr Astronauten als je zuvor auf der Station sind. Ein Krisenstab wurde gebildet.


Washington/Cape Canaveral - Der Ausbau der Internationalen Raumstation ISS ist einen großen Schritt vorangekommen. Nach einem Außeneinsatz von zwei US-Astronauten ist das japanische Raumlabor "Kibo" nun komplett. Die Amerikaner Tim Kopra und Dave Wolf haben mit Hilfe von zwei Roboterarmen eine gut vier Tonnen schwere "Veranda" an dem Modul angebracht - eine Plattform, auf der wissenschaftliche Experimente im freien Weltraum durchgeführt werden sollen. "Kibo" ist das größte Labor der ISS. Drei Shuttle-Flüge waren nötig, um die Teile dafür heran zu transportieren.

Eine weitere gute Nachricht: Die Nasa-Bodenzentrale in Houston ließ die Shuttle-Besatzung wissen, dass keine speziellen Untersuchungen des Hitzeschilds ihrer Raumfähre nötig sind. Beim Start am vergangenen Mittwoch waren mehrere Stücke der Außentank-Isolierung abgefallen und hatten kleine Schäden am Hitzeschild hinterlassen. Eine halbe Rückwärtsrolle der Raumfähre kurz vor dem Andocken, bei der ISS-Astronauten Bauch und Nase der "Endeavour" fotografierten, bestätigte aber erste Einschätzungen der Nasa-Experten am Boden, dass kein Risiko bestehe. Im Februar 2003 war die Raumfähre "Columbia" bei Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht, als ihr beim Start beschädigter Hitzeschild versagte. Sieben Astronauten kamen dabei ums Leben.

Sechs-Millionen-Dollar-Toilette kaputt

Eine schlechte Nachricht von der ISS gab es allerdings auch: Eine der beiden Toiletten ist ausgefallen - ausgerechnet in einem Augenblick, da sich mehr Menschen als je zuvor auf der Raumstation drängeln. Durch den Besuch der sieben "Endeavour"-Besatzungsmitglieder ist die Zahl der Astronauten auf 13 angeschwollen.

Bis zur Reparatur ist der Besuch des verbleibenden stillen Örtchens nun genau reglementiert: Die sechs Bewohner der ISS benutzen die zweite noch funktionierende Toilette der Raumstation, während die sieben Astronauten der angedockten "Endeavour" auf ihre eigene angewiesen sind. Über die Ursache des WC-Problems war laut Nasa zunächst nichts bekannt. Die sechs Millionen Dollar teure Toilette war im vergangenen November zur ISS gebracht worden.

Dem belgischen Astronauten Frank De Winne wurde die Ehre zuteil, die defekte Einrichtung in Zusammenarbeit mit der Bodenzentrale zu inspizieren. Dazu musste er einen Schutzanzug und eine Schutzbrille tragen. Nach ersten Vermutungen der Nasa ist in der Anlage eine Pumpen-Trennvorrichtung überflutet worden. Ob das auf Überbeanspruchung zurückzuführen ist, darüber wollten die Experten in Houston, die nach Medienberichten einen Toiletten-Krisenstab mit russischen Kollegen bildeten, am Sonntag nicht spekulieren.

mbe/dpa/AP



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