Internationale Raumstation Russen bieten Nasa bezahlte Hilfe an

Während die russischen Sojus-Kapseln regelmäßig und problemlos zur ISS pendeln, hat die Nasa immer wieder Probleme mit ihrer Shuttle-Technik. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hat den Amerikanern deshalb nun erneut Hilfe angeboten - jedoch gegen Bezahlung.


Moskau - Die Anspannung war groß - doch alles lief problemlos. "Das Manöver erfolgte genau so wie geplant", sagte schließlich ein Sprecher der russischen Flugüberwachung in Koroljow bei Moskau. Die Sojus-Kapsel, die gestern Morgen an die ISS ankoppelte, brachte die 13. Langzeitbesatzung sicher und problemlos zur internationalen Raumstation. Das Andocken läuft automatisch, schließlich rast die ISS mit 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde. Jeder Steuerungsfehler könnte dabei tödliche Folgen haben. Nur im Notfall müssen die Kosmonauten eingreifen – und das Manöver für einen neuen Versuch abbrechen.

Auch bei den US-Shuttles machte das Ankoppeln an der Raumstation bisher wenig Schwierigkeiten. Dafür gibt es genügend andere Probleme – denn das Raumfähren-Programm ist von einer Pannenserie verfolgt: Zuletzt sorgten abgeplatzte Schaumstoffteile am Hitzeschild der Raumfähre "Discovery" im vergangenen Jahr für einen spektakulären Außeneinsatz der Crew, bei dem die Astronauten überstehendes Fugenmaterial abschneiden mussten – in der eisigen Kälte des Alls.

Seit dem Absturz der Raumfähre "Columbia" vor drei Jahren steckt die milliardenteure Shuttle-Technik in einer Krise, die durch immer neue Fehlermeldungen stets neu entfacht wird. Und so wirkt es wenig beruhigend, wenn die US-Raumfahrtagentur auch den Starttermin der "Discovery" in diesem Jahr verschoben hat – wegen technischer Probleme.

All-Taxi gegen Dollars

Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos bietet nun Unterstützung an: Ein Sprecher kündigte an, der Nasa helfen zu wollen, wenn es weiter Probleme mit der "Discovery" gäbe. Allerdings nicht mehr gratis. Die Agentur Interfax meldete zudem, dass der US-Astronaut Jeffrey Williams bereits der zweite US-Astronaut auf der ISS sei, für dessen Flug die Nasa bei den Russen bezahlen musste. Der Trip ins All kostete umgerechnet 16,7 Millionen Euro.

An Bord der "Discovery" soll der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter zur ISS befördert werden. Der verschobene Starttermin ist nun im Juli angesetzt – allerdings sind Shuttle-Starts immer auch vom Wetter abhängig, Verzögerungen um einige Tage keine Besonderheit. Reiter, der bis zu seinem Start von Cape Canaveral nun weiter für den All-Aufenthalt trainieren wird, wird dann die zweiköpfige ISS-Crew verstärken. Zusammen sind bis zu 65 Experimente geplant – jedoch sind nicht alle rein wissenschaftlich.

So wird der Kosmonaut Pawel Winogradow während eines Außeneinsatzes einen Golfball ins All schlagen – ein Werbegag einer kanadischen Golfschläger-Firma. Nach den Berechnungen von Wissenschaftlern wird der Golfball vier Jahre lang um die Erde kreisen, bevor er in die Atmosphäre eintaucht und verglüht. Auch eine neue Ladung Würmer ist mit der Sojus-Kapsel auf die ISS gelangt. Mit den Versuchstieren soll getestet werden, wie Verletzungen in der Schwerelosigkeit heilen. Außerdem leisten einige Schnecken der Besatzung Gesellschaft. Ihr Verhalten in der Schwerelosigkeit könnte Rückschlüsse auf den Gleichgewichtssinn des Menschen erlauben.

jkr/dpa



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