Internet-Abstimmung Weltraum-Modul könnte nach US-Comedian benannt werden

US-Satiriker Stephen Colbert will die Nasa dazu bringen, ein Modul der Internationalen Raumstation nach ihm zu benennen. Eine entsprechende Internet-Abstimmung hat er bereits gewonnen. Mitarbeiter der Raumfahrtbehörde erwägen jetzt, wenigstens einer ISS-Toilette seinen Namen zu geben.


Washington - Im Februar nächsten Jahres soll das Space Shuttle "Endeavour" ein Verbindungsmodul zur Internationalen Raumstation bringen. In ihm sollen unter anderem wichtige Komponenten für die Lebenserhaltungssysteme untergebracht werden: Abwasserbehandlung, Sauerstoffproduktion und so weiter. Außerdem soll eine Glaskuppel den Astronauten von dort aus einen spektakulären Blick auf die Erde und die ISS bieten.

Komiker Colbert: Hardcore-Patriot auf dem Weg ins All
AP

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"Node 3" heißt das Bauteil offiziell. Noch, jedenfalls. Denn um dem guten Stück einen etwas spektakuläreren Namen zu verpassen, hat die US-Weltraumbehörde Nasa im Internet einen Wettbewerb gestartet. Und wenn sie sich an sein Ergebnis halten sollte, dann dürfte der US-Satiriker Stephen Colbert, 44, sich bald mit seinem Namen im Weltall verewigt finden.

Der Fernsehmoderator des "Colbert Reports" inszeniert sich in seiner Sendung als erzkonservativer Einpeitscher. Schon sehr siegesgewiss verkündet der Satiriker nun auf der Webseite seines Senders Comedy Central: "Wenn Aliens auf die Erde kommen, werden sie es auf dem Weg dahin mit einem Hardcore-Patrioten zu tun bekommen."

Die bisherigen Knotenmodule heißen "Unity" ("Einheit") und "Harmony" ("Harmonie"). Für den neuen Baustein hatte die Nasa ursprünglich vier Bezeichnungen zur Abstimmung gestellt, aber auch eigene Ideen der Leser zugelassen. Und von den knapp 1,2 Millionen Teilnehmern stimmten genau 230.539 für Colbert, der damit am häufigsten vorgeschlagen wurde.

Das Ergebnis der Umfrage ist allerdings nicht bindend. Insofern ist nicht klar, ob die Nasa das Modul tatsächlich auf "Colbert" taufen wird. Möglich ist auch, dass die Weltraumbehörde den eigenen Vorschlag "Serenity" ("Klarheit") wählen wird - obwohl dieser 40.000 Stimmen weniger sammeln konnte als der Comedian. Die Entscheidung wird im April bekanntgegeben. Nasa-Sprecher John Yembrick wollte noch keine Hinweise darauf geben, wie sie ausfallen könnte. Er stellte allerdings in Aussicht, dass die Behörde die Stimmen von 230.000 Menschen nicht einfach ignorieren werde.

Sogar Politiker beschäftigt die Abstimmung mittlerweile. Der demokratische Kongressabgeordnete Chaka Fattah forderte die Nasa auf, das Ergebnis anzuerkennen. Möglicherweise wird die Weltraumbehörde dies auch tatsächlich tun: Der Internet-Dienst Space.com berichtet, unter Nasa-Mitarbeitern werde die Idee ernsthaft diskutiert, statt des Verbindungsmoduls eine ISS-Toilette nach dem Fernseh-Spaßvogel zu benennen.

Colbert verfügt über eine eingeschworene Fangemeinde. Schon mehrfach hat sie ihm Abstimmungserfolge eingebracht. So tragen ein Flugzeug und eine Spinne ebenso seinen Namen wie eine Eissorte. Colbert wollte auch beim vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf antreten, seine Kandidatur wurde von der Demokratischen Partei jedoch abgelehnt.

Bei der Nasa hat man aus der missglückten Colbert-Abstimmung übrigens schon die ersten Schlüsse gezogen. Bei einer derzeit laufenden Abstimmung, bei der ein Name für einen neuen Mars-Rover gefunden werden soll, sind Vorschläge der Nutzer nicht mehr zugelassen. So will die Nasa verhindern, dass Colbert noch einmal zuschlägt - oder dass Nachahmer die Abstimmung kidnappen.

chs/ddp



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