Internationale Raumstation Moskau droht mit Ende der Zusammenarbeit im Weltraum

Vor bald 25 Jahren begann der Aufbau der Internationalen Raumstation ISS, eines partnerschaftlichen Projekts grundverschiedener Nationen. Nun könnte Russland die Kooperation beenden – aus Protest gegen Sanktionen.
Astronaut Mark Vande in der Internationalen Raumstation (ISS): Außenposten der Menschheit in Gefahr

Astronaut Mark Vande in der Internationalen Raumstation (ISS): Außenposten der Menschheit in Gefahr

Foto: Kayla Barron / AP

Die Internationale Raumstation ISS galt lange als einer der wenigen Orte, an denen abseits der Weltpolitik eine Zusammenarbeit zwischen mitunter verfeindeten Nationen stattfinden konnte: Jenseits der Erdatmosphäre waren USA, Russland, Japan, Kanada und Europa enge Partner – trotz irdischer Spannungen. Nun jedoch ist die ISS zum Spielball der Politik geworden.

Moskau hat mit einem Ende der Zusammenarbeit auf der Internationalen Raumstation gedroht, sollten die USA und andere westliche Staaten ihre Sanktionen gegen Russland nicht zurücknehmen. Die Moskauer Führung werde in Kürze Fristen für ein Ende der Kooperation konkret vorschlagen, teilte der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, über Telegram mit. Die Schreiben würden dann den Raumfahrtbehörden der USA, Kanadas, Japans und der Europäischen Union zugestellt. Diese hatten die Sanktionen nach Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine erlassen.

Nasa will Betrieb erhalten

Eine vollwertige Wiederherstellung der normalen Beziehungen zwischen den ISS-Partnern sei »nur möglich bei einer vollständigen und bedingungslosen Aufhebung der illegalen Sanktionen«, sagte Rogosin. Er veröffentlichte bei Telegram auch Antwortschreiben unter anderem seines US-Kollegen Bill Nelson von der Nasa und des Generaldirektors der Europäischen Weltraumorganisation (Esa), Josef Aschbacher.

Nelson antwortete demnach, dass die Zusammenarbeit mit Russland auf der ISS fortgesetzt werden solle. Die Nasa will sich demnach bei den US-Behörden auch für vereinfachte Lösungen einsetzen, hieß es mit Blick auf die mit Sanktionen belegten russischen Unternehmen, darunter der Hersteller des Raumfahrtransporters Progress. »Einen sicheren und erfolgreichen ISS-Betrieb zu erhalten, bleibt eine Priorität für die Vereinigten Staaten.«

ISS könne »ihren eigenen Tod sterben«

Demgegenüber habe sich der Österreicher Aschbacher nur als »Postbote« betätigt, kritisierte Rogosin, er habe den Roskosmos-Brief lediglich an die EU-Mitglieder weitergereicht. Russland solle also warten, bis alle EU-Mitglieder sich geäußert hätten, sagte Rogosin. Bis dahin könne die ISS »ihren eigenen Tod sterben«.

Es sei zwar klar, dass die Sanktionen nicht aufgehoben würden. Gleichwohl werde so getan, als beträfen sie nicht die ISS, »wo die Rolle Russlands grundlegend wichtig ist für die Gewährleistung der Lebensfunktion und der Sicherheit« des Außenpostens der Menschheit. Das sei nicht hinnehmbar, sagte Rogosin.

rai/dpa