US-Astronaut auf der ISS »Mark kommt mit der Sojus nach Hause«

US-Astronaut Mark Vande Hei ist im All, an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Er braucht die Hilfe der Russen, um wieder zur Erde zu gelangen. Wird er sie bekommen? Jetzt äußerte sich die Nasa.
Rückflug geplant: US-Astronaut Mark Vande Hei an Bord der Internationalen Raumstation ISS (Bild vom 4. Februar 2022)

Rückflug geplant: US-Astronaut Mark Vande Hei an Bord der Internationalen Raumstation ISS (Bild vom 4. Februar 2022)

Foto: Kayla Barron / AP

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat betont, dass die Spannungen zwischen Washington und Moskau wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine keine Auswirkungen auf den Betrieb der Internationalen Raumstation (ISS) haben sollen. Am Montag erklärte der für das ISS-Programm zuständige Nasa-Manager Joel Montalbano, dass die Zusammenarbeit mit den Russen »seit 20 Jahren läuft, und in den letzten drei Wochen hat sich nichts geändert«.

An diesem Dienstag sollte der erste von zwei bevorstehenden Weltraumspaziergängen von Nasa-Crewmitgliedern stattfinden. »Wir beide brauchen einander, um die ISS zu betreiben«, erklärte Montalbano. »Im Weltraum gibt es keine Grenzen. Man sieht keine Länder- oder Staatsgrenzen«, sagte der Nasa-Chef vor Journalisten. »Die Teams arbeiten weiter zusammen. Bekommen sie mit, was auf der Erde geschieht? Natürlich. Aber sie sind professionell.«

Zuletzt hatte es Befürchtungen gegeben, dass die Russen den US-Astronauten Mark Vande Hei zum Ende von dessen Mission am 30. März nicht an Bord der Sojus-Kapsel lassen. Geplant ist, dass Vande Hei mit seinen russischen Kollegen Pjotr Dubrow und Anton Schkaplerow nach 355 Tagen im All zum Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zurückfliegt.

Drohszenario vom Roskosmos-Chef

Montalbano sagte nun jedoch: »Ich kann Ihnen mit Sicherheit sagen, dass Mark mit der Sojus nach Hause kommen wird.« Es habe »einige Diskussionen mit den Kollegen von Roskosmos« gegeben. Diese hätten jedoch »bestätigt, dass sie bereit sind, die gesamte Besatzung nach Hause zu bringen, alle drei«. Ein 20-köpfiges Nasa-Team werde nach Kasachstan fliegen und die Landung wie gewohnt mit vorbereiten. Auch die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hatte den planmäßigen Rückflug am Montag der Nachrichtenagentur Tass bestätigt. Roskosmos habe »seinen Partnern nie die geringste Chance gegeben, an seiner Zuverlässigkeit zu zweifeln«.

Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin hatte den Westen jedoch am Wochenende vor einem möglichen Absturz der ISS gewarnt. Die gegen Russland verhängten Sanktionen beeinträchtigten demnach den Betrieb der russischen Raumschiffe, die die ISS versorgen. Der russische Teil der Raumstation, der für Kurskorrekturen zuständig ist, sei ebenfalls durch die Sanktionen beeinträchtigt.

Die USA und Russland sind beim Betrieb der ISS gegenseitig abhängig. Während US-Module für die Energieversorgung und Lebenserhaltung an Bord zuständig sind, sorgen die russischen Teile für den Antrieb.

Nasa arbeitet an Alternativen

Der Weltraum ist einer der letzten Bereiche, in denen Russland und die USA noch zusammenarbeiten. US-Präsident Joe Biden hatte die Sanktionen zum Technologieexport nach Russland ausdrücklich auch als Ziel genannt, die russische Raumfahrt zu schwächen. Die Forschungskooperation der Russen auf der ISS mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wurde wegen der EU-Sanktionen bereits gestoppt. Auch der Satellitenstart einer britischen Firma aus Baikonur wurde abgesagt, die Zusammenarbeit bei Raketenstarts vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ausgesetzt.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa arbeitet nach eigenen Angaben aber bereits an Lösungen, um die ISS ohne russische Hilfe im Orbit zu halten. Für den Transport der Astronauten, der seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms 2011 ausschließlich mit Sojus-Kapseln lief, gibt es bereits eine Alternative: Die private Raumfahrtfirma SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk nahm 2020 bemannte Flüge von den USA zur ISS wieder auf. Die nächsten Slots sind allerdings für zahlende Weltraumtouristen reserviert.

Aktuell sind vier US-Amerikaner, zwei Russen und der Deutsche Matthias Maurer an Bord der ISS.

ak/AFP/Reuters