ISS-Reparatur Klemmendes Sonnensegel klappt mit sanfter Gewalt ein

Störrisch war das Sonnensegel an der Raumstation ISS. Doch bei einem weiteren Außenbordeinsatz zweier Mitglieder des US-Shuttles "Discovery" ist auf einmal alles wie von selbst gegangen. Nun ist das Sonnensegel zusammengeklappt - und der deutsche Astronaut Thomas Reiter muss Tasche packen.


Das Sonnensegel klemmte und war störrisch: Trotz "olympischer Anstrengungen", die die Einsatzleitung der US-Raumfahrtbehörde Nasa ihren Außenarbeitern bescheinigte, war es den Astronauten Samstagnacht nur zu zwei Dritteln gelungen, das Sonnensegel einzuklappen. Alles Rütteln und Schütteln hatte den beiden US-Astronauten Curbeam und Sunita Williams nicht geholfen, das ungefähr 35 Meter lange Segel zu lösen.

Doch diesmal - beim außerplanmäßigen, vierten Außenbordeinsatz der "Discovery"-Crew - half das Wackeln: Der US-Amerikaner Robert Curbeam und der Schwede Christer Fuglesang rüttelten unter anderem mit einem langen Roboterarm und einem Spachtel am Sonnensegel. Dann klappten die einzelnen Felder des Segels scheinbar mühelos ein. Curbeam jubelte, die Bodenzentrale in Houston applaudierte. Das bisher klemmende Sonnensegel ist jetzt vollständig zusammengefaltet.

Nach Nasa-Angaben lag das Problem bei einem "anscheinend verrutschten Führungskabel". Das eingeholte Sonnensegel war als Zwischenlösung zur Energieversorgung eingeplant, doch zuletzt stand es zwei neuen Sonnensegeln im Weg, die im September an der ISS angebracht worden waren. Ein zweites, altes Sonnensegel soll im März kommenden Jahres eingeholt werden.

Viele Überstunden hat das klemmende Segel der Crew der internationalen Raumstation ISS schon beschert. Die beiden Bezwinger des Sonnensegels, Curbeam und Fuglesang, stellten während ihres Einsatzes ungeplant Rekorde auf: Curbeam brach mit vier Außenbordeinsätzen während eines Fluges – 45 Stunden und 34 Minuten im Außeneinsatz – einen 25 Jahre alten Raumfahrer-Rekord.

Nun ist der Weg frei für die Heimreise des deutschen Astronauten Thomas Reiter: Heute Abend - einen Tag später als geplant - soll die Raumfähre "Discovery" von der ISS abkoppeln und ihre Besatzung zurück zur Erde bringen.

ner/dpa/AFP



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