Absage an USA Russland beendet Betrieb der Internationalen Raumstation

Die USA wollen die Internationale Raumstation bis 2024 gemeinsam mit Russland nutzen - das weist der Kreml jetzt zurück: Im Jahr 2020 sei Schluss. Beobachter vermuteten, dass der Schritt eine Reaktion auf die Sanktionen des Westen ist.
Ärger um die ISS: Das russische Segment könne unabhängig vom amerikanischen existieren - umgekehrt gelte das aber nicht

Ärger um die ISS: Das russische Segment könne unabhängig vom amerikanischen existieren - umgekehrt gelte das aber nicht

Foto: DPA/ NASA

Moskau - Diese Erklärung überrascht Experten: Russland will sein Engagement bei der Internationalen Raumstation ISS bereits 2020 beenden. Stattdessen wolle man andere Projekte im Kosmos in Angriff nehmen, sagte Vizeregierungschef Dmitrij Rogosin am Dienstag. "Wir gehen davon aus, dass wir die ISS derzeit nur bis 2020 benötigen", erklärte er der Agentur Interfax in Moskau. Russland schlägt damit das Angebot der USA aus, den Außenposten der Menschheit mindestens bis 2024 weiterzubetreiben. Die USA hatten ihrerseits im Januar eine Finanzierung über 2020 hinaus zugesagt.

"Wir wollen die Ressourcen auf andere perspektivische kosmische Projekte richten", sagte Rogosin. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos werde die Pläne bald vorstellen. Rogosin schloss nicht aus, dass Moskau den russischen Teil der ISS allein weiterbetreiben werde. "Das russische Segment kann unabhängig vom amerikanischen existieren - aber das amerikanische nicht unabhängig vom russischen", sagte er.

Politischer Streit um Raumstation

Russland und die USA sind seit Jahren Partner in der Raumfahrt. Da die Amerikaner ihre Raumfährenflüge Ende 2012 einstellten, sind russische Raketen derzeit das einzige Transportmittel für Flüge zur Internationalen Raumstation ISS. Beobachter vermuteten, dass der Schritt auch eine Reaktion auf Sanktionen ist, die die USA wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine-Krise erlassen hatten und die auch den Export von Hochtechnologieprodukten betreffen. Das 100 Milliarden Dollar teure ISS-Forschungsprojekt nahmen die Vereinigten Staaten allerdings aus.

Die ISS kreist seit 1998 um die Erde und wurde seitdem kontinuierlich ausgebaut. Am 28. Mai startet der Deutsche Alexander Gerst gemeinsam mit dem Russen Maxim Surajew und dem US-Astronauten Reid Wiseman für ein halbes Jahr zur ISS.

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Live-Video aus dem All: Die ISS-Webcam

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nik/dpa/Reuters