ISS-Versorgungsflug Russischer Raumtransporter abgestürzt

Schon wieder eine schwere Panne in der russischen Raumfahrt: Ein Transporter hat auf dem Weg zur Internationalen Raumstation seine Umlaufbahn verfehlt. Das unbemannte Raumschiff mit 2,6 Tonnen Fracht an Bord stürzte ab.

Progress M-11M-Rakete beim Start (21. Juni 2011): Raumtransporter verfehlt Orbit
AFP

Progress M-11M-Rakete beim Start (21. Juni 2011): Raumtransporter verfehlt Orbit


Berlin/Moskau - Kurz nach dem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur ist ein unbemannter russischer Transporter mit Nachschub für die Internationale Raumstation ISS auf die falsche Flugbahn geraten. "Es gab einen Notfall", sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der Raumfahrtindustrie der Agentur Interfax. Das Versorgungsraumschiff sei wahrscheinlich in Sibirien im Osten Russlands abgestürzt. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete, in der Region an der Grenze zur Mongolei und China seien Trümmerteile entdeckt worden. Es sei niemand verletzt worden, auch Schäden am Boden habe es nicht gegeben.

Die Probleme seien bei der Zündung der dritten Raketenstufe aufgetreten. 340 Sekunden nachdem das Raumschiff des Typs Progress M-12M in der kasachischen Steppe abgehoben hatte, sei ein Druckabfall im Treibstofftank der Maschine festgestellt worden. Kurz darauf sei der Kontakt zu ihr abgebrochen. Es war der erste Fehlstart dieses Raumfrachter-Typs seit 1978. "Spezialisten untersuchen die Ursache", hieß es.

RIA Nowosti zitierte einen Vertreter der Regierung in Russlands Altai-Provinz mit der Aussage, die Trümmerteile seien in seiner Region rund 1500 Kilometer nordöstlich des Startplatzes niedergegangen. "Die Explosion war so stark, dass im Umkreis von 100 Kilometern fast das Glas aus den Fenstern geflogen wäre", sagte er.

Der Raumfrachter hatte insgesamt rund 2,6 Tonnen Material für die sechsköpfige russisch-amerikanisch-japanische Besatzung der ISS an Bord. Darunter befanden sich 996 Kilogramm Treibstoff, 420 Kilogramm Trinkwasser, 257 Kilogramm Lebensmittel, 50 Kilogramm Sauerstoff sowie wissenschaftliche Geräte, Verbrauchsmaterial und Post. Das Andockmanöver war für diesen Freitag geplant.

Der Vorfall bedeutet einen erneuten schweren Rückschlag für Roskosmos. Am Donnerstag vergangener Woche war der leistungfähige russische Telekommunikationssatellit Express-AM4 vom Kurs abgekommen und auf die falsche Umlaufbahn geraten. Roskosmos setzte daraufhin am Dienstag den Einsatz seiner Trägerraketen vom Typ Proton-M aus. Die Raketen würden so lange nicht verwendet, bis klar sei, warum der Satellit vom Kurs abgekommen sei, hieß es.

mbe/dpa/dapd/AFP/AP

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