Entfalten des Sonnenschutzes Weltraumteleskop »James Webb« ist gut auf Kurs

Ein delikates Manöver folgt auf das nächste: Auf dem Weg zu seinem Einsatzort im All wird das Weltraumteleskop »James Webb« gerade Schritt für Schritt entfaltet. Und bisher geht es dabei verblüffend problemlos zu.
Das vorerst letzte Bild von »James Webb«, aufgenommen nach der Trennung des Teleskops von der Rakete

Das vorerst letzte Bild von »James Webb«, aufgenommen nach der Trennung des Teleskops von der Rakete

Foto: NASA TV / AFP

Es ist nur ein kleiner schwarzer Punkt, der von der Mitte kommend nach rechts oben durchs Bild schwebt: Bei Twitter hat der australische Astronom George Zhou von der University of Southern Queensland die Aufnahme eines Teleskops am Mount Kent Observatory veröffentlicht. Darauf zu sehen ist das am ersten Weihnachtstag gestartete »James Webb«-Teleskop auf dem Weg zu seinem Einsatzort, der rund anderthalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt liegt. In den rund zehn Tagen seit dem Start vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana hat das Observatorium etwa zwei Drittel der nötigen Strecke zurückgelegt.

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Pro Sekunde kommt »James Webb« seinem Ziel um einen halben Kilometer näher. Das zeigt eine detaillierte Übersicht  der US-Weltraumbehörde Nasa. Auf ihr ist auch erkennbar, was es bis dahin noch zu tun gibt: Aktuell wird der Sonnenschutz des Teleskops ausgefaltet, er besteht aus fünf Lagen dünner Folie und ist so groß wie ein Tennisplatz. Nur mit seiner Hilfe kann das Observatorium so gekühlt werden, dass es wie geplant auch schwache Infrarotstrahlung aus der Frühzeit des Universums vor rund 13 Milliarden Jahren beobachten kann.

Das Ausfalten des Sonnenschutzes gilt als ein Schlüsselpunkt der komplizierten Indienststellung des Teleskops. Und nach Angaben der Nasa ist dabei bisher alles nach Plan verlaufen: Drei der fünf Lagen seien inzwischen vollständig. Wenn dann die zwei noch fehlenden Folien ebenfalls ausgefahren sind, werden zuerst der kleinere Sekundär- und dann der größere Primärspiegel des Teleskops ausgeklappt. Dieser besteht wiederum aus 18 Segmenten, die noch in einem zweistufigen Prozess vollständig entfaltet werden müssen.

Die ersten Bilder des Teleskops sollen im Juni oder Juli veröffentlicht werden. »Es sind vier Instrumente an Bord, und jedes von ihnen hat Hunderte verschiedener Beobachtungsmodi, bei denen man erst überprüfen will, ob sie auch funktionieren«, hat Günther Hasinger, Direktor für Wissenschaft bei der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) im SPIEGEL-Gespräch  erklärt.

Drei wissenschaftliche Hauptziele

Für das »James Webb«-Teleskop gibt es drei wissenschaftliche Hauptziele. Es soll einen Blick in das früheste Universum ermöglichen, die Sternentstehung mit bisher unerreichbarer Genauigkeit studieren und außerdem die Atmosphären von Exoplaneten untersuchen – um dort möglicherweise auch Hinweise auf Leben zu finden. Zur Umsetzung des Projekts haben sich die amerikanische, die kanadische und die europäische Weltraumorganisation zusammengeschlossen. Den Großteil der Kosten übernehmen die Amerikaner. Forscherinnen und Forscher können sich um Beobachtungszeit bewerben.

Immer wieder wird »James Webb«, das nach einem früheren Nasa-Chef benannt ist, als Nachfolger des »Hubble«-Teleskops bezeichnet. Das trifft aber nicht zu, weil beide in weitgehend voneinander getrennten Wellenlängenbereichen beobachten. Der Spiegel des »Webb«-Teleskops ist gut sechsmal größer als der von »Hubble«, gleichzeitig wiegt er aber nur halb so viel. »Man hat sich für Hightech mit extrem geringem Gewicht entschieden. Da ist alles miteinander verwoben, sodass die Entfaltung eine sehr heikle Sache ist«, so  Esa-Direktor Hasinger. Bisher, immerhin, scheint dabei alles glattgegangen zu sein.

chs
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