Countdown für »Hubble«-Nachfolger »Webb«-Weltraumteleskop startet am 22. Dezember ins All

Nach einem Zwischenfall mit dem zehn Milliarden Dollar teuren Superteleskop verschiebt die Nasa den Start ins Weltall. Es soll nach Leben auf anderen Planeten suchen.
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Ein Ingenieur steht vor dem neuen Weltraumteleskop

Foto: NASA / ZUMA Wire / IMAGO

Zwei Tage vor Weihnachten soll es nun losgehen. Dann soll das Weltraumteleskop »James Webb« mit einer europäischen Ariane-Rakete seine Reise in den Weltraum antreten. Das Vorhaben gilt als eines der größten Wissenschaftsprojekte des Jahrzehnts. In die Entwicklung des Teleskops flossen zehn Milliarden Dollar.

Der Start wurde um einige Tage nach hinten auf den 22. Dezember verschoben, nachdem ein Zwischenfall für Unruhe am Startbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana) gesorgt hatte. Bei den Vorbereitungen löste sich ein Klemmband, woraufhin das hypersensible Instrument vibrierte. Eine Untersuchung der US-Weltraumbehörde Nasa zeigte aber, dass nichts beschädigt wurde.

Das Weltraumteleskop tritt das Erbe des Hubble-Teleskops an und ist ein Gemeinschaftsprojekt der europäischen, US-amerikanischen und kanadischen Weltraumagenturen. Die Entwicklung hatte sich um viele Jahre verzögert, die Kosten stiegen immer weiter. Das Teleskop war im Oktober unter strenger Geheimhaltung mit einem Schiff aus Kalifornien nach Kourou geliefert worden.

Der aus Sechsecken bestehende, aus Beryllium gefertigte Hauptspiegel des Teleskops ist so groß, dass er für den Transport in den Weltraum gefaltet werden muss. Sonst würde »Webb« nicht in die Rakete passen. Im All muss der 6,5-Meter-Spiegel dann ausgeklappt werden. Es ist neben der Entfaltung der Solarpaneele und des tennisplatzgroßen, fünflagigen Sonnenschutzes das wohl schwierigste Manöver, damit das Observatorium wie geplant seinen Dienst aufnehmen kann.

Staubfreie Arbeitszone am sensiblen Teleskop

Foto: Chris Gunn / NASA

Während »Hubble« 550 Kilometer von der Erde entfernt stationiert ist, soll »Webb« anderthalb Millionen Kilometer entfernt seinen Dienst tun. Es muss also auf Anhieb funktionieren, da Astronauten anders als beim Hubble-Teleskop nicht mal eben für Reparaturen hinfliegen können. Im Vergleich zu »Hubble« ist das neue Teleskop etwa hundertmal leistungsstärker.

Das große Zittern vor dem Start

Das Zehn-Milliarden-Dollar-Instrument soll helfen, einige der größten Fragen der Menschheit zu klären. Wann und wie haben sich die ersten Sterne und Galaxien gebildet? Ist die Erde einzigartig? Oder gibt es auch auf anderen Planeten Leben? So kann »Webb« beispielsweise das Licht von Sternen erfassen, die vor mehr als 13 Milliarden Jahren entstanden sind. Durch kosmische Staubwolken soll das Observatorium hindurchsehen können.

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Nach dem Beginn der Reise soll das Teleskop ungefähr nach einem Monat seine Ziel-Umlaufbahn erreichen. Dann werden zunächst die Instrumente im Weltraum getestet. Erst einmal aber muss der Start gelingen. Im vergangenen Jahr war es bei Starts der Ariane-Rakete zu potenziell problematischen Situationen gekommen. An der Nutzlastverkleidung der Ariane waren starke Vibrationen gemessen worden.

Die Missionen konnten trotzdem erfolgreich zu Ende gebracht werden – doch im Fall von »Webb« stand zu befürchten, dass das Teleskop durch zu starke Schüttelei Schaden nehmen könnte. Also wurde die Verkleidung modifiziert. Nur wenn alles problemlos verläuft, ist die Bahn wirklich frei für das Superteleskop.

fww