Wenige Tage nach dem Start Teleskop »James Webb« entfaltet seinen Sonnenschild

Bisher lief alles nach Plan: Das Weltraumteleskop »James Webb« ist bereits weiter von der Erde entfernt als der Mond. Zuletzt wurden die Träger des Sonnenschilds ausgeklappt.
Weltraumteleskop »James Webb« mit ausgeklappten Bug- und Heckpaletten (Animation der Nasa)

Weltraumteleskop »James Webb« mit ausgeklappten Bug- und Heckpaletten (Animation der Nasa)

Foto: AP

Das Weltraumteleskop »James Webb« nimmt allmählich seine geplante Gestalt an. In der Nacht zu Mittwoch wurde gegen 1.27 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Heckpalette ausgeklappt, die gemeinsam mit der bereits am Dienstagabend entfalteten Bugpalette den Sonnenschild des Teleskops tragen soll. Das teilte die US-Weltraumbehörde Nasa in einem Blog  mit. »Unser Teleskop blüht auf wie eine Blume im Weltraum«, dichtete die Nasa auf Twitter. Das Teleskop ist vor wenigen Tagen ins All gestartet.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Dadurch wäre nun auch der goldbeschichtete Teleskopspiegel zu sehen – wenn jemand im All einen Blick auf die erdabgewandte Seite von »Webb« werfen könnte. Die eigentliche Bewegung dauerte laut Nasa nur 18 Minuten, erforderte aber eine stundenlange Vorbereitung wegen etlicher Kontrollschritte. Frühestens am kommenden Sonntag (2. Januar 2022) werde der komplette, tennisplatzgroße Sonnenschild aufgespannt.

Die Entfaltung des Teleskops in vier Schritten (Animation der Nasa)

Die Entfaltung des Teleskops in vier Schritten (Animation der Nasa)

Foto: AP

Diesen Vorgang beschrieb Günther Hasinger, Wissenschaftsdirektor der am Projekt beteiligten Europäischen Weltraumagentur Esa, im Gespräch mit dem SPIEGEL  als »eine besonders knifflige Angelegenheit«. Insgesamt gebe es 59 sogenannte single point failures, also Punkte, an denen die Mission durch einen einzelnen Fehler scheitern könnte. Bislang lief alles nach Plan.

Ferngesteuerte Feinarbeit bei 3400 km/h

Der Sonnenschild besteht aus fünf hauchdünnen Schichten des Kunststoffs Kapton sowie einem Schutzfilm aus Aluminium und Silizium. Er soll Wärme von dem Teleskop abhalten, damit es auf eine Temperatur unter 50 Kelvin (minus 223 Grad Celsius) abkühlen kann und die Optik störungsfrei funktioniert. Das ganze Projekt, das Licht vom Ursprung des Universums aufnehmen soll, kostet fast zehn Milliarden Dollar.

Die Arbeiten werden vom Kontrollzentrum in Baltimore aus ferngesteuert, während sich das Teleskop mit rund 3400 Kilometern pro Stunde von der Erde entfernt. Auf der Seite »Wo ist Webb?«  lässt sich der Weg des Teleskops nachverfolgen.

Am Mittwochmittag 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit war das Objekt knapp 548.000 Kilometer von der Erde entfernt, deutlich weiter als der Mond. Damit hatte es bereits fast 38 Prozent der Strecke zum Ziel zurückgelegt: dem Lagrange-Punkt L2, an dem ein Gleichgewicht der Anziehungskräfte von Sonne und Erde herrscht. Die Ankunft ist etwa für den 23. Januar avisiert. Unterwegs soll noch der Spiegel ausgerichtet werden. Erste Bilder erwartet die Nasa im Juni.

ak
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.