Messungen mit Weltraumteleskop Forscher entdecken Kochsalz auf Jupitermond Europa

Der Jupitermond Europa ist ein Kandidat für die Existenz von Leben außerhalb der Erde. Nun entdeckten Forscher: Sein gigantischer, unterirdischer Ozean könnte unseren Meeren ähnlicher sein als gedacht.

Jupitermond Europa in natürlichen Farben (l.) und gelblichen Tönen nach neuen Analysen
University of Arizona/ JPL/ NASA/ DPA

Jupitermond Europa in natürlichen Farben (l.) und gelblichen Tönen nach neuen Analysen


So richtig gemütlich ist es auf dem Jupitermond Europa nicht. Seine Oberfläche ist vollständig von Eis bedeckt, es herrschen frostige Temperaturen. Aber dennoch ist der Jupiter-Trabant interessant für Astronomen.

Schon vor einigen Jahren hatten Forscher beobachtet, dass ein bis zu hundert Kilometer tiefer Salzwasserozean unter Europas Eis schwappt. Wo Wasser ist, da könnte auch Leben möglich sein. Auch deshalb gilt der Eismond laut Nasa als einer der Top-Kandidaten für die Existenz von Leben außerhalb der Erde.

Nun haben Forscher um Samantha Trumbo vom California Institute of Technology (Caltech) herausgefunden: Der Eispanzer enthält gewöhnliches Kochsalz, möglicherweise ist es auch im Ozeanwasser gelöst. Der Ozean hätte damit Ähnlichkeit mit den Meeren auf der Erde, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science Advances". Und es würde die Chancen für lebensfreundliche Bedingungen in dem unterirdischen Gewässer auf dem Jupitermond erhöhen.

Wie lebensfreundlich der Mondozean ist, hängt jedoch auch von seiner chemischen Zusammensetzung ab, wie Trumbo und ihre Kollegen Mike Brown vom Caltech und Kevin Hand von der US-Raumfahrtbehörde Nasa betonen. Einen Anhaltspunkt dafür bietet den Forschern zufolge die geologische Oberfläche des Eismonds, die wahrscheinlich vom unterirdischen Ozean chemisch beeinflusst wird.

Infrarot-Messungen der Nasa-Raumsonde "Galileo" hatten hier in den Neunzigerjahren zunächst auf Magnesiumsulfatsalze hingedeutet. Neuere Beobachtungen am Keck-Observatorium auf Hawaii konnten dies jedoch nicht bestätigen. Stattdessen wiesen die Daten auf Natriumchlorid (NaCl) hin - also ganz normales Kochsalz. Im Infrarotbereich lässt sich Natriumchlorid jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen.

Nasa-Forscher Hand hat schließlich in Laborversuchen festgestellt, dass Natriumchlorid unter den Strahlungsbedingungen auf dem Jupitermond seine Farbe ändert und einen Gelbton annimmt, der sich unter anderem in der geologisch besonders jungen Tara-Region auf Europa findet.

"Natriumchlorid ist ein bisschen wie Geheimtinte auf Europas Oberfläche", erläuterte Hand in einer Nasa-Mitteilung. "Vor einer Bestrahlung kann man es nicht erkennen, aber nach der Bestrahlung springt einem die Farbe direkt ins Auge."

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Jupitermond Europa: Kosmische Wasserspiele

Messungen mit dem "Hubble"-Weltraumteleskop bestätigten nun, dass die gelben Bereiche der Tara-Region tatsächlich dieselben spektralen Eigenschaften haben wie das bestrahlte Kochsalz aus Hands Labor und daher ebenfalls Natriumchlorid enthalten. "Wir hatten die vergangenen 20 Jahre die Möglichkeit, die Region mit dem 'Hubble'-Weltraumteleskop zu analysieren", betonte Brown. "Es hat nur niemand daran gedacht, dort nach Salz zu suchen."

Ob das Kochsalz tatsächlich aus dem unterirdischen Ozean stammt, können die Forscher allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Die Entdeckung von Natriumchlorid rechtfertige es jedoch, die Geochemie des Jupitermonds neu zu bewerten.

"Magnesiumsulfat wäre einfach aus dem Gestein am Ozeanboden in den Ozean gesickert, aber Natriumchlorid könnte bedeuten, dass der Ozeanboden hydrothermal aktiv ist", erklärte Trumbo. "Das würde bedeuten, dass Europa ein geologisch interessanterer Himmelskörper ist als zuvor gedacht."

Der Jupiter-Trabant ist einer von 50 Monden des größten Planeten im Sonnensystem. Er ist etwas kleiner als der Erdmond.

joe/dpa



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