Satellitenbild der Woche Ausgeufert

Kairo ist zur größten Stadt Afrikas herangewachsen. Satellitenbilder zeigen die rasante Entwicklung der Metropole im Zeitraffer und offenbaren, wie es mit dem Bau der neuen Hauptstadt vorangeht.

In Kairo sollen sich einst die altägyptischen Götter Horus und Seth bekämpft haben: Seit Jahrtausenden ist die Stadt das kulturelle, politische und finanzielle Herz Ägyptens. Inzwischen leben etwa zwanzig Millionen Menschen im Stadtgebiet, mehr als in irgendeiner anderen Metropole Afrikas. Weltweit haben nur 14 andere Megacitys mehr Einwohner.

Besonders in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Stadt rasant ausgedehnt, zeigen Satellitenbilder, die die Nasa nun veröffentlicht hat. Nicht nur die Kernstadt ist immer weitergewachsen. Wo sich einst Wüste erstreckte, schlängeln sich inzwischen Straßen, die neue Wohngebiete verbinden.

Foto: Lauren Dauphin/ NASA Earth Observatory / Lauren Dauphin/ NASA Earth Observatory

Die linke Aufnahme des Nasa-Satelliten "Landsat 5" zeigt Kairo im Jahr 1984. Unbewohnte Gebiete erscheinen beige, dicht besiedelte Gegenden grau und das Farmland grün. Damals lebten gut zwölf Millionen Menschen im Stadtgebiet. In nur drei Jahrzehnten kamen gut acht Millionen Einwohner hinzu. Das hat Spuren hinterlassen, beweisen Aufnahmen des Nasa-Satelliten "Landsat 8", die im September 2019 aufgenommen und rechts im Schiebebild zu sehen sind.

In die grünen Flächen haben sich graue Lücken gefressen. Ein Zeichen dafür, dass einstiges Ackerland neuen Wohngebieten weichen musste. Auffällig sind die Vorstädte, die östlich des Nils aus der Wüste geschossen sind. "Neu-Kairo" ist ein Paradebeispiel dafür. Die Siedlung wurde Anfang der Neunzigerjahre konzipiert, weil Kairo aus allen Nähten platzte und im Jahr 2000 vom damaligen Präsidenten Husni Mubarak offiziell gegründet. Inzwischen leben in der Planstadt mehr als 300.000 Menschen, eines Tages sollen es bis zu fünf Millionen werden.

Satellitenbild Kairos im Herbst 2019

Satellitenbild Kairos im Herbst 2019

Foto: Lauren Dauphin/ NASA Earth Observatory

Noch weiter östlich, gut 50 Kilometer vom Stadtkern Kairos entfernt, entsteht die neue administrative Hauptstadt Ägyptens, die einige das "neue Neu-Kairo" nennen. Kostenpunkt: umgerechnet mindestens 75 Milliarden Euro. Die ersten Bauten sind aus dem All als rötliche Flecken zu erkennen. Hier soll eines Tages die Regierung Ägyptens tagen und rund fünf Millionen Menschen sollen hier leben.

Coronavirus bremst Bauarbeiten

Der geplante Regierungssitz soll ab diesem Jahr bezogen werden. Er liegt strategisch günstig zwischen Kairo und dem Suezkanal. Mehr als 10.000 Kilometer fußgängerfreundliche Straßen soll es geben und mehr als 1,7 Millionen Arbeitsplätze. Die Entlastung für das alte Kairo ist dringend notwendig. Im Jahr 2050 sollen etwa 40 Millionen Menschen in Kairo leben, besagen Schätzungen.

Laut Medienberichten sind die Bauarbeiten wegen der Coronakrise allerdings ins Stocken geraten, auch Museen und Hotels sind derzeit geschlossen. Die Geschäfte sind jedoch geöffnet. In Ägypten haben sich nachweislich 1173 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, allerdings werden in dem Land nur wenige Tests durchgeführt. Ein Schriftzug aus Licht auf den berühmten Pyramiden nahe der Stadt Kairo forderte die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben.

koe
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