KELT-9b (orange) umkreist seine Sonne: Auf dem Planeten herrschen Temperaturen von bis zu 4300 Grad

KELT-9b (orange) umkreist seine Sonne: Auf dem Planeten herrschen Temperaturen von bis zu 4300 Grad

Foto: NASA

KELT-9b Der Höllenplanet

Ein Jahr auf KELT-9b dauert gerade einmal anderthalb Tage: Die Hitze auf dem Exoplaneten zerfetzt selbst Moleküle.

KELT-9b ist der heißeste Planet, den Menschen bisher entdeckt haben. Er kreist so nahe um seine Sonne, dass ein Leben auf ihm unmöglich ist. Mit einer Temperatur von bis zu 4300 Grad Celsius ist der Gasriese sogar heißer als so mancher Stern. Neue Untersuchungen der Nasa zeigen, dass selbst Moleküle der Hitze nicht standhalten können.

Exoplaneten sind Himmelkörper, die wie die Erde um einen Stern kreisen, aber außerhalb unseres Sonnensystems liegen. Weil sie selbst nicht leuchten, sind sie deutlich schwieriger zu erkennen als ferne Sterne. Den ersten Exoplaneten entdeckten Astronomen erst vor gut 25 Jahren, im vergangenen Jahr bekamen sie dafür den Nobelpreis. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Der Höllenplanet

Mittlerweile sind mehr als 4000 Exoplaneten bekannt. Einige liegen wie die Erde in einer lebensfreundlichen Zone, auf einem wurde sogar Wasser entdeckt. KELT-9b wurde 2017 entdeckt.

Ein Leben auf dem Höllenplaneten ist so gut wie ausgeschlossen. Er liegt nur rund fünf Millionen Kilometer von seiner Sonne entfernt und braucht nur anderthalb Tage, um sie zu umkreisen. Zum Vergleich: Der sonnennächste Planet unseres Systems, Merkur, ist zehnmal weiter von der Sonne entfernt.

Seinem Stern wendet KELT-9b auf seiner Bahn immer dieselbe Seite zu, so wie zum Beispiel der Mond der Erde immer nur eine Seite zeigt. Gebundene Rotation heißt das Phänomen. Das bedeutet, auf der einen Seite des Gasriesen ist es immer Nacht, auf der anderen immer Tag.

Bei dem Exoplaneten führt das dazu, dass sich die Tagseite extrem aufheizt. Die hohen Temperaturen sorgen dafür, dass Wasserstoffverbindungen auseinanderreißen, berichten Forscher im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“ . Erst wenn die Bruchstücke auf die Nachtseite gelangen, finden sie wieder zusammen, ehe sie auf der Tagseite wieder zerfetzt werden.

Diese künstlerische Darstellung zeigt den Blick von KELT-9b (orange) auf seine Sonne

Diese künstlerische Darstellung zeigt den Blick von KELT-9b (orange) auf seine Sonne

Foto: NASA

Für die Analyse benutzten die Wissenschaftler Infrarot-Aufnahmen des Nasa-Weltraumteleskop "Spitzer", die Temperaturschwankungen genau dokumentieren und so Veränderungen in der Atmosphäre anzeigen. Zerreißende und sich wieder zusammensetzende Wasserstoffmoleküle lieferten die beste Erklärung für die Daten des Teleskops.

„Eine andere mögliche Erklärung wären extreme Winde von bis zu 60 Kilometern in der Sekunde“, sagt Studienautorin Megan Mansfield. „Aber die sind sehr unwahrscheinlich.“ Die Astronomen gehen davon aus, dass der Effekt auch bei anderen extrem heißen Exoplaneten zu beobachten ist.

Überraschenderweise ist der Temperaturunterschied zwischen der Tag- und Nachtseite auf KELT-9b nicht so groß, wie die Forscher erwartet hatten. Das spricht dafür, dass es einen Wärmeaustausch gibt. Außerdem lag der heißeste Punkt des Planeten nicht immer direkt unter der Sonne, sondern verschob sich von Zeit zu Zeit. Woran das liegt, wissen die Forscher noch nicht genau.

Die starke Strahlung der Sonne schleudert Teile der Gashülle von KELT-9b ins All, sodass der Planet ähnlich wie ein Komet einen Schweif hinter sich herzieht. Er verliert dadurch mehr als 100.000 Tonnen Wasserstoff pro Sekunde. Irgendwann wird er sich dadurch komplett auflösen oder nur noch ein fester Kern übrig bleiben - wenn der Planet überhaupt noch so lange existiert. In etwa 200 Millionen Jahren wird sich seine Sonne so aufblähen, dass sie den Gasriesen verschluckt.

koe