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07. März 2009, 08:07 Uhr

"Kepler"-Teleskop

Nasa startet Erdspäher-Mission

Milliarden erdähnliche Planeten soll es allein in unserer Milchstraße geben - aber wo? Nun hat die Nasa das "Kepler"-Teleskop ins All geschossen. Ausgestattet mit einem Superauge soll es auf die prestigeträchtige Suche nach einer zweiten möglichen Erde für die Menschheit gehen.

Washington - Das US-Teleskop Kepler ist zu einer großangelegten Suche nach einer "zweiten Erde" außerhalb unseres Sonnensystems gestartet. Die Sonde hob pünktlich um 4.49 MEZ mit einer Delta-II-Rakete in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab. Eine gute Stunde später machte sich die Sonde in 721 Kilometern Höhe selbstständig. Sie kreist nun im Gefolge der Erde um die Sonne und hält nach Himmelskörpern Ausschau, auf denen ähnliche Bedingungen wie auf unserem Planeten herrschen.

"Die Mission versucht eine Frage zu beantworten, die so alt ist wie die Zeit - gibt es da draußen noch andere Planeten wie unseren?", sagte der NASA-Experte Ed Weiler. Die Kosten belaufen sich auf etwa 480 Millionen Euro. Aufgabe des Teleskops ist es, über drei Jahre nach erdähnlichen Planeten Ausschau zu halten, auf denen Voraussetzungen für Leben herrschen könnten.

Bislang haben Astronomen rund 340 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Eine zweite Erde war bisher nicht dabei. Der bisher kleinste bekannte Himmelskörper, der einen Stern in 390 Lichtjahren Entfernung in furiosem Tempo umkreist, ist knapp zweimal so groß wie unser Heimatplanet. Er wurde Anfang des Monats vom französischen Satelliten "Corot" entdeckt. Und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der kosmische Fahnder aus Europa auch ein noch kleineres Exemplar aufspürt.

Mit der "Kepler"-Mission will die US-Weltraumbehörde Nasa aber den Wettlauf um die Entdeckung der zweiten Erde gewinnen.

"Die Entdeckungen des Teleskops könnten die Sicht der Menschheit auf sich selbst fundamental verändern", sagte Jon Morse, Astrophysiker am Nasa-Hauptquartier in Washington, bei der Vorstellung des Projekts im vergangenen Monat. Kepler soll in den kommenden drei Jahren die Sternbilder Schwan und Lyra untersuchen und dabei feststellen, ob unter ihnen erdähnliche Planeten sind.

Damit ein Planet der Erde ähnlich ist, muss er zwei Grundvoraussetzungen erfüllen. Neben seiner Größe muss auch die Zeit vergleichbar sein, die der Planet für eine Umrundung seines Zentralgestirns braucht. Ungefähr ein Jahr ist die magische Marke - und mindestens so lange muss das Teleskop hinsehen.

Dafür braucht "Kepler" ein Superauge: Das Teleskop ist mit einer 95-Megapixel-Digitalkamera ausgestatte, die größte Kamera, die jemals ins All befördert wurde. Jede halbe Stunde wird sie Fotos der rund 100.000 Sterne aus unserer Milchstraße machen, die die Sonde untersuchen soll.

Wie scharf der Blick von Kepler ist, erklärt Astrophysiker Morse an einem Beispiel: "Wenn Kepler von seiner Umlaufbahn im All auf ein Dorf auf der Erde hinabblickt, kann es erkennen, wenn das Licht einer Terrassenlampe kurzzeitig verdunkelt wird, weil ein Mensch davor vorübergeht."

Sicherheit durch dreimaliges Flackern

Kleinste Helligkeitsschwankungen, so hoffen die Forscher, könnten dann Planeten verraten, die vor ihrem Zentralgestirn vorbeiziehen - und es dabei für einige Stunden leicht verdunkeln.

Für eine ungestörte Beobachtung haben sich die Forscher etwas Besonderes einfallen lassen: "Kepler" wird nicht auf einer klassischen Satellitenbahn fliegen, wie es zum Beispiel "Corot" tut. Stattdessen soll das Teleskop der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne folgen, allerdings mit einer etwas anderen Umlaufdauer. Dadurch wird sichergestellt, dass die Erde nicht periodisch die beobachteten Sterne verdeckt. Auch das Problem von störendem Sonnenlicht lässt sich auf diese Weise lösen. Allerdings vergrößert sich der Abstand zwischen der Erde und dem Teleskop langsam, aber stetig. Irgendwann wird "Kepler" dann selbst für die kraftvollen Antennen des "Deep Space Network" zu weit entfernt sein - und für immer verstummen.

chs/lub/AFP

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