100.000 Dollar Crowdfunding-Projekt Alien-Baustelle auf dem Prüfstand

An einem fernen Stern haben Astronomen ungewöhnliche Lichtschwankungen entdeckt. Ein Forscher vermutet dahinter das Werk einer fernen Zivilisation. Nun soll ein Crowdfunding-Projekt Klarheit schaffen.

Kometenschwarm vor KIC 8462852 (künstlerische Darstellung)
NASA/ JPL-Caltech

Kometenschwarm vor KIC 8462852 (künstlerische Darstellung)


107.386 Dollar, umgerechnet knapp 96.000 Euro, haben die Forscher innerhalb eines Monats gesammelt. Tabetha Boyajian von der Yale University hatte die Aktion auf der Crowdfunding-Plattform "Kickstarter" ins Leben gerufen. Titel: "The most mysterious star in the Galaxy", also "Der mysteriöseste Stern der Galaxie". 1760 Menschen spendeten.

Ziel der Aktion ist es, den Stern KIC 8462852 genauer zu untersuchen. 2015 hatten Hobby-Astronomen in seiner Umgebung seltsame Lichtschwankungen entdeckt. Damals war das Weltraumteleskop "Kepler" bereits für mehrere Jahre auf die Region des Alls gerichtet, in der sich der Stern befindet. Es untersuchte, wie stark Planeten Sterne abdunkeln, wenn sie aus Sicht der Erde vor ihnen vorbeiziehen.

Mysteriöse Verdunklung

Das Licht von KIC 8462852 wurde zwischenzeitlich allerdings so stark gedimmt, dass sich das nicht mehr mit einem Planeten erklären lässt. Forscher spekulierten, ob ein gigantischer Kometenschwarm das Licht aufgehalten haben könnte. Diskutiert wurde auch, ob bei einer Planetenkollision entstandener Staub den Stern abgedunkelt hat. Doch eine in sich schlüssige Erklärung fanden die Wissenschaftler bislang nicht.

Auch deshalb brachte einer - nicht ganz ernst gemeint - auch Außerirdische als mögliche Ursache ins Spiel. Demnach könnten die Forscher ein riesiges Bauprojekt einer hoch entwickelten Zivilisation entdeckt haben, spekuliert Jason Wright von der Penn State University. Er glaubt, dass KIC 8462852 von gigantischen Sonnenkollektoren verdunkelt sein könnte, die um den Stern kreisen - einer sogenannten Dyson-Sphäre.

Der Physiker Freeman Dyson hatte das Konzept von Solarzellen im All bereits in den Sechzigerjahren vorgeschlagen, um den wachsenden Energiebedarf der Menschheit in Zukunft zu decken. Bevor jemand voreilige Schlüsse zieht, soll das merkwürdige Verhalten des Sternenlichts nun jedoch zunächst genauer untersucht werden.

Staubwolke nach der Kollision von zwei Planeten (künstlerische Darstellung)
NASA/ JPL-Caltech

Staubwolke nach der Kollision von zwei Planeten (künstlerische Darstellung)

Dauerüberwachung

Das Problem: Das "Kepler"-Teleskop scannt längst andere Regionen des Alls und andere öffentlich finanzierte Teleskope sind über Monate ausgebucht. Die Forscher um Boyajian wollen das Geld aus dem Crowdfunding-Projekt deshalb in die Nutzung eines globalen Zusammenschlusses mehrerer privater Bodenteleskope, das Las Cumbres Observatory Global Telescope Network (LCOGT), investieren. Die Geräte sollen die Region um KIC 8462852 über mehrere Monate hinweg dauerhaft überwachen.

Das Teleskop-Netzwerk wertet die Daten in Echtzeit automatisch aus und schlägt, so der Plan, Alarm, sobald sich der Stern erneut ungewöhnlich stark verdunkelt. Dass das nur unregelmäßig und in unterschiedlicher Ausprägung geschieht, ist einer der Gründe, warum die Forscher auf die Dauerüberwachung setzen.

Wenn abzusehen ist, dass erneut ein so ungewöhnliches Ereignis stattfindet wie mit "Kepler" beobachtet, sollen größere Teleskope hinzugeschaltet werden, die den Stern dann im Detail beobachten. Auch Hobby-Astronomen sollen die Daten weiter zu sehen bekommen. Wer weiß, vielleicht findet wirklich noch jemand Alien-Spuren. Die Forscher favorisieren derzeit allerdings die Kometentheorie.

jme



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