Klagen gegen US-Behörden Richter soll Ufo-Dokumente ans Licht zerren

In den USA bahnt sich ein bizarrer Streit zwischen Ufo-Jüngern und Behörden an: Ein TV-Sender will Nasa, Pentagon, Armee und Luftwaffe juristisch zur Herausgabe geheimer Dokumente über Ufo-Sichtungen zwingen.

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Angebliches Ufo-Foto: US-Behörden sollen sich vor Gericht offenbaren
RTL

Angebliches Ufo-Foto: US-Behörden sollen sich vor Gericht offenbaren

Der "Sci-Fi Channel" ist eigentlich eher für Dokumentationen aus dem Grenzbereich zwischen Fakt und Fiktion oder televisionäre Leckerbissen wie "Kampfstern Galactica" bekannt. Jetzt aber macht der US-Sender ernst: Die amerikanischen Behörden sollen endlich die Beweise für die Existenz von Ufos herausrücken - notfalls auf richterliche Anordnung.

Der TV-Kanal hat sich mit einem Journalisten und einer Washingtoner Anwaltskanzlei zusammengetan und obendrein einen prominenten Mitstreiter gewonnen: John Podesta, Stabschef im Weißen Haus unter Präsident Bill Clinton, steht ebenfalls in der Front der Wissbegierigen. Der illustren Gruppe geht es insbesondere um den so genannten "Kecksburg Incident". Im Dezember 1965 beobachteten die Bewohner der Kleinstadt im US-Staat Pennsylvania laut CNN einen Feuerball, der in ein bewaldetes Gebiet stürzte. Die Absturzstelle, rund 65 Kilometer von Pittsburgh entfernt, sei noch in derselben Nacht in eine militärische Sperrzone verwandelt worden. In Kecksburg habe sogar kurzzeitig das Kriegsrecht gegolten.

Raumsonde oder Ufo?

Die regionalen Zeitungen seien am nächsten Tag voll von Berichten über den angeblichen Ufo-Absturz gewesen. Die Bewohner von Kecksburg aber hätten nie den Grund der Militär-Maßnahmen erfahren - geschweige denn, was in dem Waldstück gefunden worden sei.

US-Luftwaffenbasis Groom Dry Lake, unter Ufo-Jüngern besser bekannt als "Area 51": Hier sollen die Überreste eines 1947 bei Roswell abgestürzten Ufos und seiner Insassen lagern
AP

US-Luftwaffenbasis Groom Dry Lake, unter Ufo-Jüngern besser bekannt als "Area 51": Hier sollen die Überreste eines 1947 bei Roswell abgestürzten Ufos und seiner Insassen lagern

Der Feuerball, der außer in Kecksburg auch in zehn US-Bundesstaaten und Kanada gesichtet wurde, könnte nach Angaben der Nasa eine außer Kontrolle geratene sowjetische "Cosmos 96"-Raumsonde gewesen sein. Allerdings deute die Analyse von Fotos und Zeugenaussagen darauf hin, dass der Weg des Objekts durch die Atmosphäre zu steil für einen abstürzenden Satelliten gewesen sei und deshalb eher ein Meteor in Frage komme. Auch die Daten der Air Force zeigen laut Nasa, dass die "Cosmos 96"-Sonde zu einem früheren Zeitpunkt verglüht sei.

Den Vorfall, den der Sci-Fi Channel in Anlehnung an die wohl berühmteste Ufo-Legende als "Das neue Roswell" bezeichnet, könnte jetzt eine Serie von Prozessen nach sich ziehen. "Trotz ernsthafter Versuche, die Fakten offen zu legen, verstecken sich die Nasa und das Verteidigungsministerium noch immer hinter einer Mauer des Schweigens", sagte Bonnie Hammer, Präsidentin des Senders. "Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu wissen, ob der Vorfall etwas mit Ufos zu tun hat."

Drei Viertel der Amerikaner glauben an Ufos

Die Ufo-Aufdeckungstruppe kündigte an, zuerst die Nasa ins Visier zu nehmen. Der TV-Kanal und sein Rechtsanwalt Lee Helfrich seien sich einig, dass sie die verwaltungsrechtlichen Möglichkeiten gegenüber der US-Raumfahrtbehörde voll ausgeschöpft hätten - was als Hauptvoraussetzung für eine richterliche Beschäftigung mit dem Fall gilt. Anschließend könnten Prozesse gegen das Pentagon, die US-Armee und die Luftwaffe folgen - und womöglich Präzedenzfälle für eine Reihe weiterer angeblicher Ufo-Sichtungen schaffen.

Die Öffentlichkeit wissen die Informations-Aktivisten bereits auf ihrer Seite: Umfragen zufolge glauben bis zu 75 Prozent der Amerikaner, dass die Regierung in Washington Erkenntnisse über außerirdische Besucher besitzt und seit Jahrzehnten geheim hält. Nasa und Pentagon verweigerten auch angesichts der neuen Entwicklung wie immer jeden Kommentar zu Ufos und Aliens.

"Traumatisches Ereignis"

Während Nachrichtenmedien in den USA regelmäßig auf Grund des "Freedom of Information Act" gegen Behörden vor Gericht ziehen, ist ein solches Vorgehen für einen Sender mit Fantasy-Programm eher unüblich. Bonnie Hammer sagt, sie wolle "die Grenze zwischen Science Fiction und Fakten" finden - und mit den Einschaltquoten in Welten vorstoßen, in denen nie zuvor ein Sci-Fi-Sender gewesen ist.

Der TV-Kanal untermalt seinen juristischen Feldzug denn auch mit einer zweistündigen Dokumentation: "Das neue Roswell: Enthüllungen aus Kecksburg" lautet der Titel der Reportage, in der laut CNN unter anderem ein Experte für Forstwesen von der West Virginia University zu Wort kommen soll. Er habe sich die Wachstumsmuster in dem angeblich betroffenen Waldstück angesehen und Spuren entdeckt - von einem "traumatischen Ereignis" im Jahr 1965.



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