Koalitionsgespräche Haushälter stoppen Merkels Mondfahrt

Vor der Wahl hatten CDU und FDP noch eine deutsche Mondmission in Aussicht gestellt, doch angesichts der desolaten Haushaltslage kippt das Prestigeprojekt. Das 1,5 Milliarden Euro schwere Vorhaben ist aus dem Koalitionsvertrag geflogen.
Unbemannte Mondlandesonde (Konzept von EADS): "Wir fliegen nicht zum Mond."

Unbemannte Mondlandesonde (Konzept von EADS): "Wir fliegen nicht zum Mond."

Foto: A9999 Astrium/ dpa

Berlin - Das Projekt ist ein politischer Wiedergänger. Im Sommer 2008 war die Idee einer deutschen Mondmission zum ersten Mal gestorben. Die Große Koalition hatte das 350-Millionen-Vorhaben "Leo" ("Lunarer Erkundungsorbiter") während der Haushaltsverhandlungen zu den Akten gelegt. Eine vollautomatische Umrundung des Mondes in 50 Kilometern Höhe sei "vor dem Hintergrund der Haushaltskonsolidierung zurückgestellt", hieß es damals.

Gut ein Jahr später, kurz vor der Bundestagswahl, hatten CDU und FDP die Idee wieder lanciert, diesmal als noch weit aufwendigeres Projekt mit Landemission. Kostenpunkt: rund 1,5 Milliarden Euro. Doch nun sind offenbar auch diese Pläne nicht mehr auf der Agenda. Eine kurze Passage über die Prüfung einer "unbemannten deutschen Mondmission" wurde aus dem Entwurf für den Koalitionsvertrag gestrichen.

"Wir fliegen nicht zum Mond", hieß es aus Verhandlungskreisen gegenüber SPIEGEL ONLINE. Wahrscheinlich ist, dass Finanzpolitiker aus Union und FDP Bedenken gegen das Programm angemeldet haben. Eine solche Mission, so ihr Kalkül, wäre in Zeiten leerer Kassen das falsche Signal.

Peter Hintze (CDU), Regierungskoordinator für die deutsche Luft- und Raumfahrt, hatte den Plan vor der Wahl propagiert. Doch schon damals waren die Probleme klar erkennbar: "Im Moment gibt es die Finanzen dafür noch nicht", hatte Hintze bereits zur Vorstellung der Idee eingestehen müssen.

"Sollte es im Herbst zu einer schwarz-gelben Regierung kommen, würde die FDP ein nationales Mondprogramm sofort auf den Verhandlungstisch legen", hatte auch Ulrike Flach, die forschungspolitische Sprecherin der Liberalen, im Juli erklärt. Nun ist es von dort offenbar wieder verschwunden.

Wenig Verständnis bei Raumfahrt-Befürwortern

Bei den Befürwortern der Raumfahrt stoßen finanzielle Vorbehalte auf wenig Verständnis. Ihr Argument: 1,5 Milliarden Euro für ein Sechs-Jahres-Programm, das technischen Fortschritt sichern soll, sind nicht allzu viel im Vergleich zu den fünf Milliarden, die binnen eines Jahres für die Abwrackprämie ausgegeben wurden.

Die Industrie stünde einem Mondprogramm aufgeschlossen gegenüber. Beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS   etwa hält man eigene europäische Ambitionen im All für notwendig. "Wir sollten mutiger sein in Dingen der Raumfahrt, um nicht den Anschluss an die USA, China und Russland zu verlieren. Und wir sollten dabei nicht nur unbemannte, sondern auch bemannte Raumfahrt wagen", sagte ein EADS-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE.

Eine kleine Hintertür haben sich die Koalitionäre allerdings offen gelassen. Sie wollen innerhalb eines Jahres "eine eigenständige Raumfahrtstrategie mit klaren Missions- und Technologiezielen" weiterentwickeln.

Für den Fall, dass es sich die Politik tatsächlich noch einmal anders überlegen sollte, kann sie somit auf Vorarbeiten setzen. Bereits im Sommer hatte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für eine Million Euro eine Studie bei EADS in Auftrag gegeben. Sie untersucht Landetechnologien für unbemannte Flugkörper auf dem Mond. Vielleicht kann man die Erkenntnisse noch einmal brauchen, wenn das Projekt einer deutschen Mondmission eines Tages aufersteht. Es wäre nicht das erste Mal.