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17. Juli 2007, 12:13 Uhr

Körperenge Raumanzüge

Sexy in Space - beweglich zum Mars

Die klobige Kosmos-Kluft von heute reicht nicht aus: Für künftige Missionen zu Mond und Mars brauchen Raumfahrer leichte, bewegliche Anzüge. Eine US-Forscherin schneidert körperenge Kombis, die mehr an Spider-Man erinnern als an Michelin-Männchen. Und ein bisschen sexy sind sie auch.

Dava Newman träumt vom Mars. Wenn die Raumfahrt-Spezialistin morgens an ihren Arbeitsplatz in der Eliteuni Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) in Cambridge bei Boston geht, betritt Newman gewissermaßen eine imaginäre Zukunft - eine, in der Menschen fremde Planeten erkunden werden. Die Raumanzüge der Gegenwart jedoch taugen dafür nicht. Sie "bieten nicht die Beweglichkeit und Bewegungsmöglichkeiten, die Astronauten für Erkundungsmissionen bei reduzierter Gravitation brauchen", erklärt die Wissenschaftlerin.

Deshalb arbeiten Newman und ihr Team an Raumanzügen, die künftige Welteneroberer beweglicher machen sollen - und nebenbei auch noch ein bisschen sexy aussehen, im Gegensatz zu den klobigen Vakuum-Taucheranzügen in denen sich Astro-, Kosmo- und Taikonauten derzeit auf den Weg in die Schwerelosigkeit machen.

Die Raumanzüge der Gegenwart sind sogar noch schwerer als die der Vergangenheit. Sie wiegen über 130 Kilogramm. 70 bis 80 Prozent der Energie, die Astronauten für Bewegung aufwenden richtet sich gegen den eigenen Anzug - weil es so schwer ist, die Hosenbeine und Ärmel der Vakuumschutzhüllen zu verbiegen.

Schlanker Biosuit statt schweißtreibender Hüllen

In der Schwerelosigkeit ist all das ein handhabbares Problem - aber an Orten mit Schwerkraft wie dem Mond oder dem Mars ist der Raumanzug das größte Hindernis für Astronauten. Deshalb finanziert die Nasa nun das Anzugprojekt in Newmans Labor.

Der "BioSuit", den die Wissenschaftler dort entwickeln, soll enger, leichter und flexibler sein als die gegenwärtigen Modelle. Dazu hat man sich vor allem die menschliche Haut genau angesehen: Stellen, an denen die Haut sich stark dehnt oder zusammengeschoben wird, müssen auch beim Raumanzug flexibel sein, während Regionen, in denen die Haut bei Bewegung relativ unverändert bleibt eine Art Skelett bilden sollen, das den Anzug stabil hält. Auf dem Weg durchs All könnten diese Skelett-Teile des Anzugs sogar als Trainingsgerät dienen: Sie lassen sich gezielt und mit variablem Widerstand versteifen und könnten so für Turnübungen in der Schwerelosigkeit benutzt werden.

Außerdem sollen die Anzüge widerstandsfähiger sein: Ein heutiger Raumanzug wird unbrauchbar, sobald er nur ein winziges Loch hat - den BioSuit dagegen soll man auch im All flicken können wie einen punktierten Fahrradschlauch.

Noch sind die Wissenschaftler aber nicht so weit. Im Augenblick besteht eins der größten Hindernisse noch in dem Druck, den die Anzüge aushalten müssen. Newman schätzt, dass der BioSuit in etwa 10 Jahren einsatzbereit sein könnte - rechtzeitig für die Marsmission, die die Nasa plant.

cis

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