Komet 2I/Borisov Astronomen bestätigen zweites interstellares Objekt

Ein Hobbyforscher hatte kürzlich einen Brocken im All entdeckt, der ungewöhnlich schien. Nun haben mehrere Observatorien verifiziert: Es handelt sich um einen Gast aus einem fremden Sonnensystem.

Mit den Multi-Object-Spectrographen des Gemini-Teleskops auf Hawaii entstand diese Aufnahme von 2I/Borisov
ZUMA Press/ imago images

Mit den Multi-Object-Spectrographen des Gemini-Teleskops auf Hawaii entstand diese Aufnahme von 2I/Borisov


Ende August dürfte der Amateurastronom Gennadi Borissow ziemlich aufgeregt durch sein Fernrohr geschaut haben. Mit dem Eigenbau von 65 Zentimeter Durchmesser hatte er von der Krim aus etwas sehr Interessantes im Weltraum entdeckt: Ein Objekt bewegte sich mit relativ hoher Geschwindigkeit Richtung Sonne.

Borissow meldete seine Beobachtung. Schnell hatte das Objekt das Interesse von Astronomen auf der ganzen Welt geweckt. Denn seine Flugbahn deutete darauf hin, dass es sich um einen interstellaren Gast handelt, der unser Sonnensystem kreuzt und ihn aus unserem System hinausführt. Um das zu prüfen, brauchten die Forscher mehr Daten. Das war nicht leicht, denn aufgrund seiner Nähe zur Sonne und der Helligkeit ließ sich der nur maximal 16 Kilometer Durchmesser große Komet nur ein bis zwei Stunden pro Nacht beobachten.

Aber nun sind sich Astronomen verschiedener Observatorien sicher: Es handelt sich nicht nur um einen unbekannten Kometen, sondern das Objekt stammt tatsächlich nicht aus unserem Sonnensystem. Damit ist 2I/Borisov, wie er laut der Internationalen Astronomischen Union (IAU) zu Ehren seines Entdeckers nun heißt, nach 1I/'Oumuamua von 2017 erst das zweite interstellare Objekt, das bei einem Durchflug unseres Sonnensystems gesichtet wurde.

Borisov bietet Astronomen die seltene Chance, Einblicke in ein fremdes Sonnensystem zu bekommen, bevor er wieder in den Tiefen des Alls verschwindet. Forscher des astrophysikalischen Instituts der Kanaren (IAC) haben bereits ein erstes sogenanntes Spektrum von dem interstellaren Schweifstern, der aus Richtung des Sternbilds Kassiopeia kommt, gewonnen, das eine Art Fingerabdruck seiner chemischen Zusammensetzung bietet.

"Das Spektrum dieses Objekts ähnelt solchen von Kometen unseres Sonnensystems, und das weist darauf hin, das ihre Zusammensetzung ähnlich sein muss", berichtete IAC-Forscherin Julia de León. Diese Beobachtung lege nahe, dass sich Kometen in anderen Sonnensystemen durch ähnliche Prozesse formen könnten wie in unserem, ergänzte de Leóns Kollege Javier Licandro. Offenbar besteht auch Borisov aus einer Mischung aus Gestein, Eis und Staub.

"Die gegenwärtige Geschwindigkeit des Kometen ist hoch, ungefähr 150.000 Kilometer pro Stunde, was in dieser Entfernung deutlich oberhalb der typischen Geschwindigkeiten von Objekten liegt, die die Sonne umkreisen", sagt Davide Farnocchia von der US-Raumfahrtbehörde Nasa laut einer Mitteilung.

Im Video: Flugbahn von Oumuamua

NASA

Voraussichtlich am 8. Dezember wird Borisov der Sonne am nächsten sein und sie mit zweifachem Erdabstand passieren. Er befindet sich nicht auf einer geschlossenen Umlaufbahn um die Sonne, sondern ist auf einer sogenannten hyperbolischen Bahn unterwegs. Das heißt, seine gradlinige Flugrichtung wird durch die Schwerkraft der Sonne abgelenkt - er fliegt in etwa eine Hyperbel.

"Das Objekt wird Mitte Dezember die größte Helligkeit erreichen und dann noch bis April 2020 mit mittelgroßen Teleskopen zu sehen sein", erläuterte Farnocchia. "Danach wird es bis Oktober 2020 nur noch mit größeren, professionellen Teleskopen zu beobachten sein."

Etwas später im Dezember ist das Objekt 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Näher wird es unserem Planeten aber nicht kommen.

joe/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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lorn order 26.09.2019
1. Hyperbelbahn??
Der Komet soll sich auf einer Hyperbelbahn bewegen? Wie kann das sein? Das Gravitationspotenzial ist abhängig von 1/r. In Potenzialen dieser Form können nur quadratische Formen als Wegkurven auftreten. Also Ellipsen, Parabeln und Hyperbeln. Hyperbeln können nur auftreten, wenn zwischen zwei Körpern abstoßende Kräfte durch das Potenzial erzeugt werden, z.B. bei Teilchen mit gleicher elektrischer Ladung. Bei der Gravitation gibt es aber nur Anziehungskräfte und deshalb entweder elliptische Bahnen oder Parabeln. Ich denke, dass der Komet sich deshalb auf einer Parabelbahn und nicht auf einer Hyperbelbahn um die Sonne bewegen wird.
Neapolitaner 26.09.2019
2. Klar Hyperbelbahn
Da das Objekt interstellar ist, übersteigt seine Geschwindigkeit die der Fluchtgeschwindigkeit. Es bewegt sich damit auf einer Hyperbelbahn und wird auf dieser Bahn unser Sonnensystem verlassen. Eine Parabelbahn wäre nur gegeben, wenn das Objekt sich genau mit Fluchtgeschwindigkeit bewegt. Auffällig ist, dass es sich nun um die Beobachtung eines zweiten interstellaren Objekts im relativ kurzen Zeitabstand handelt. Unser Sonnensystem ist evtl. in einen Schwarm interstellarer Asteroiden eingetreten. Eventuell, man wird sehen...
Fuscipes 26.09.2019
3.
"Das war nicht leicht, denn aufgrund seiner Nähe zur Sonne und der Helligkeit ließ sich der nur maximal 16 Kilometer Durchmesser große Komet nur ein bis zwei Stunden pro Nacht beobachten", interstellar oder Nähe zur Sonne, beides geht schlecht und schwarz wie Nacht.
Ökofred 26.09.2019
4. nicht?
Zitat von Fuscipes"Das war nicht leicht, denn aufgrund seiner Nähe zur Sonne und der Helligkeit ließ sich der nur maximal 16 Kilometer Durchmesser große Komet nur ein bis zwei Stunden pro Nacht beobachten", interstellar oder Nähe zur Sonne, beides geht schlecht und schwarz wie Nacht.
"interstellar" bezeichnet die Herkunft, die Nähe zu Sonne ist seine jetzige Position. Wäre er noch in einer interstellaren Position könnte man ihn gar nicht beobachten, da zu klein.
AmDraht 26.09.2019
5. Glück gehabt?
Mal eine Frage an die Profis hier: Wie groß ist der Zufall, dass jemand so ein Objekt mit einem selbst gebauten 65 cm Teleskop sieht? Mir ist schon klar, dass verm. tausende Hobbyastronomen jede Nacht den Himmel durchsehen und es solche Zufälle immer wieder gibt.
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