Stunden der Entscheidung Komet "Ison" erreicht sonnennächsten Punkt

Am Donnerstagabend rast Komet "Ison" ganz nah an der Sonne vorbei. Was dann passiert, ist noch ungewiss. Forscher befürchten, dass er dabei zerbersten kann.

REUTERS/ NASA

Für den Kometen "Ison" hat am Donnerstag der letzte und gefährlichste Teil seiner Reise zur Sonne begonnen. Der Schweifstern raste am Vormittag weiter auf unser Zentralgestirn zu und steigerte dabei seine Helligkeit beträchtlich, wie im Internet veröffentlichte Bilder der Sonnensonde "Soho" belegten. Am Donnerstag um kurz vor 20 Uhr soll "Ison" seinen sonnennächsten Punkt erreichen. Als völlig offen gilt in Wissenschaftlerkreisen, ob der Komet seine extreme Annäherung an die Sonne übersteht oder aber womöglich verdampft.

Auf den ersten "Soho"-Bildern vom Donnerstag scheine "Ison" "noch intakt zu sein", sagte Ekkehard Kührt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Mittag. Der Wissenschaftler vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betonte allerdings, dass eine mögliche Auflösung des Kometenkerns auf den Bildern erst mit einer kurzen Zeitverzögerung erkennbar wäre. "Es besteht die Hoffnung, dass er noch als Komet existiert."

"Ison" soll sich der Sonne am Donnerstagabend bis auf eine Entfernung von einem Sonnendurchmesser nähern. In astronomischen Maßstäben streift er damit den Glutofen im Zentrum des Sonnensystems geradezu. Sollte der Schweifstern sein Date mit der Sonne überstehen, dürfte er im Dezember ein prächtiges Schauspiel am Himmel bieten.

Dem DLR-Wissenschaftler Kührt zufolge ist der Komet bei seiner Sonnenpassage vor allem zwei Kräften ausgesetzt. "Zum einen könnten die Gezeitenkräfte der Sonne den Kometen zerreißen", sagte der Kometen- und Asteroidenexperte. Hinzu komme die "unglaubliche Hitze" in Sonnennähe, durch die "Isons" Oberfläche bei der größten Annäherung an die Sonne auf mehr als 2000 Grad Celsius aufgeheizt werde. Dadurch werde der Komet "deutlich an Substanz verlieren".

Komet bekommt Gesellschaft

Wie die anderen Kometen besteht "Ison" größtenteils aus gefrorenem Wasser und tiefgekühlten Gasen. Kometen gelten als Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Wenn diese Brocken sich auf ihrer Reise durchs All der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus, die stets von der Sonne wegweisen.

Außer "Ison" gibt es übrigens einen weiteren Schweifstern am Nachthimmel zu sehen: Der Komet "Lovejoy" ist voraussichtlich noch bis Ende des Jahres mit dem Feldstecher zu sehen, unter guten Bedingungen sogar mit bloßem Auge, wie das Astronomie-Portal "kometen.info" berichtet.

Der Schweifstern, der Anfang September vom australischen Amateurastronomen Terry Lovejoy entdeckt wurde, steht morgens hoch am Osthimmel und wandert vom Sternbild der Jagdhunde, direkt unterhalb des Großen Wagens, ins Sternbild Bärenhüter (Bootes).

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13  Bilder
Kometen-Schauspiel: "Lovejoy" gesellt sich zu "Ison"

nik/dpa/ap



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
AnnaLena77 28.11.2013
1. optional
Befürchten das der Komet auseinander bricht? Was fürchten die zitierten Wissenschaftler den bei diesem möglichen Szenario? Oder meinte unser werter Autor der Schlagzeile etwas Dramatik verleihen zu müssen? Hinweis: In wissenschaftlichen Artikeln ist das völlig unnötig! Die Fakten sind spannend genug, da brauche ich keine Bild-Schlagzeile.
Mimimat 28.11.2013
2. Na ja....
Zitat von AnnaLena77Befürchten das der Komet auseinander bricht? Was fürchten die zitierten Wissenschaftler den bei diesem möglichen Szenario? Oder meinte unser werter Autor der Schlagzeile etwas Dramatik verleihen zu müssen? Hinweis: In wissenschaftlichen Artikeln ist das völlig unnötig! Die Fakten sind spannend genug, da brauche ich keine Bild-Schlagzeile.
Ich finde das Ganze ja auch spannend, da gebe ich ihnen recht. Aber auch ich "fürchte" dass er auseinander bricht. Denn das Spektakel eines alles überstrahlenden Kometen, das hätte ich mir schon gern gegönnt. Um wie viel mehr wäre das was für solche astronomischen Laien, die nur das toll finden, was auch beeindruckend am Himmel aussieht?
snusch 28.11.2013
3. Befürchtung...
@Anna, Die Befürchtung der Wissenschaftler ist, dass ihnen die Chance verwehrt bleibt, den Kometen bei einer Erdpassage genauer untersuchen zu können.
_Netizen 28.11.2013
4.
Zitat von MimimatIch finde das Ganze ja auch spannend, da gebe ich ihnen recht. Aber auch ich "fürchte" dass er auseinander bricht. Denn das Spektakel eines alles überstrahlenden Kometen, das hätte ich mir schon gern gegönnt. Um wie viel mehr wäre das was für solche astronomischen Laien, die nur das toll finden, was auch beeindruckend am Himmel aussieht?
Alles überstrahlen wird er wohl nicht. Die Helligkeit nimmt zwar im Moment logischerweise dramatisch zu (nur noch gut 2h bis Perihel), aber nach der Sonnenpassage auch ebenso schnell wieder ab - wenn er es denn übersteht. Wenns gut läuft, ist er Anfang Dezember evtl. mit bloßem Auge zu sehen (morgens wahrscheinlich besser als abends - er steht "höher" über der Sonne), aber bei weitem nicht mit der gerne verkündeten Helligkeit des Mondes. Diese Helligkeit erreicht er höchstens nachher beim Vorbeiflug an der Sonne, von der Erde aus also unbeobachtbar. Und sollte er bei bzw. nach der Passage zerbrechen, könnte es sogar ein imposanteres Schauspiel am Himmel geben, als wenn er den Höllenritt heil übersteht. Es bleibt also in jedem Fall spannend. Aktuelle Bilder der SOHO-Sonden und später zeitnahe Aufnahmen vom SDO (Solar Dynamics Observatory): http://sohowww.nascom.nasa.gov/hotshots/index.html/ Comet ISON Viewing (http://cometison.gsfc.nasa.gov/)
_Netizen 28.11.2013
5.
Zitat von snusch@Anna, Die Befürchtung der Wissenschaftler ist, dass ihnen die Chance verwehrt bleibt, den Kometen bei einer Erdpassage genauer untersuchen zu können.
Auch ein Zerbrechen wäre aus wissenschaftlicher Sicht interessant, da es Einblicke in die Zusammensetzung des Kometen erlaubt. Immerhin wird das Ding mit zahlreichen Instrumenten aus praktisch nächster Nähe verfolgt - da ist jedes Ereignis von Wert.
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