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Komet im All: Tuschri im Wandel

Foto: ESA/Rosetta/NavCam

Himmelskörper Tschuri Naturgewalt am Kometenkliff

Warum wurde von Komet Tschuri im Juli 2015 tonnenweise Staub ins All geblasen? Forscher haben die Antwort nun in Daten der Raumsonde "Rosetta" gefunden. Und sind einer kosmischen Naturgewalt auf die Spur gekommen.

Eis, Schotter und eine Gestalt, als sei sie beim Bleigießen entstanden: Die Oberfläche von Komet Tschuri wirkt nicht gerade sehr einladend. Dass sie sich aber offenbar ständig verändert, haben Forscher nun in zwei Untersuchungen herausgefunden.

Bei der ersten Analyse wurden Daten der europäischen Raumsonde "Rosetta" ausgewertet, die einen mächtigen Erdrutsch auf dem Kometen Tschuri beobachtet hatte. Das Ereignis vom Juli 2015, bei dem etwa 500 bis 1000 Tonnen Staub ins All geschleudert wurden, legte ein Stück des eishaltigen Kometenkerns frei, wie das Team um Maurizio Pajola vom Ames-Forschungszentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa imFachblatt "Nature Astronomy"  berichtet.

Von der Beobachtung erhoffen sich die Wissenschaftler neue Einblicke in die Mechanismen, die zu Gas- und Staubausbrüchen von Kometen führen und nachhaltig deren Oberfläche formen.

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"Rosetta" hat Tschuri, dessen vollständige Bezeichnung "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" lautet, fast zwei Jahre auf seinem Weg durch das innere Sonnensystem begleitet, dabei Daten gesammelt und war auf dem Kometen im September 2016 gelandet. An einem Kliff, das Aswan getauft wurde, beobachtete die Raumsonde bereits 2014 tiefe Spalten in der Oberfläche. Am 10. Juli 2015 kam es dort zu einem lokalen Abbruch, bei dem sich eine große Staubwolke bildete. Anschließende Aufnahmen mit "Rosetta" zeigten, dass die Kliffkante auf etwa 70 Metern Länge abgebrochen war. Rund 20.000 Kubikmeter Material waren dabei abgestürzt.

Die Beobachtung belege erstmals den bereits vermuteten Zusammenhang zwischen Erdrutschen und Gas- und Staubausbrüchen auf Kometen, betonen die Forscher. An der frischen Abbruchkante registrierten sie eine auffällig helle Partie, die auf freigelegtes Wassereis hindeutete - Jahrmilliarden altes, unberührtes Material aus der Entstehungszeit des Kometen. Tatsächlich nahm die Helligkeit dieser Region in den folgenden Monaten langsam ab und erreichte rund ein Jahr nach dem Erdrutsch wieder den Ursprungswert. Das Wassereis hatte sich in den Weltraum verflüchtigt und dunkles Gestein zurückgelassen.

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Komet Tschuri: "Philae" gefunden

Foto: ESA/ Rosetta/ MPS

Außer diesem und einem weiteren Kliffsturz hat "Rosetta" zahlreiche andere Veränderungen auf Tschuris Oberfläche im Detail dokumentiert, wie ein zweites Forscherteam im US-Fachblatt "Science" beschreibt . Mancherorts hätten sich steile Geländeflanken um bis zu 5,4 Meter pro Tag zurückgezogen, berichten die Wissenschaftler um Mohamed Ramy El Maarry von der University of Colorado. Andernorts hätten sich wellenartige Muster auf der Oberfläche gebildet, die in weniger als drei Monaten auf rund hundert Meter Durchmesser herangewachsen seien.

Als Ursache für diese vielfältigen und erstaunlich schnellen Oberflächenveränderungen sehen die Forscher die verstärkte Einstrahlung auf dem Kometen, der sich rund alle 6,5 Jahre auf seiner Bahn der Sonne nähert. Die Beobachtungen geben einen Eindruck davon, wie schnell sich Tschuris Oberfläche verändert. Daraus schließen die Wissenschaftler aber auch, dass die großräumigen Landschaften auf dem Kometenkern älter sein müssen als von manchen erwartet. Sie existierten in der heutigen Form bereits seit zahlreichen Umläufen, vielleicht schon länger als sich Tschuri auf dieser Umlaufbahn befinde, schreiben sie.

joe/dpa
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