Erste Kometenlandung "Rosettas" Ziel ist erwacht

Das Ziel rückt immer näher. Im August soll die Raumsonde "Rosetta" erstmals einen Lander auf einem Kometen absetzen. Bilder verraten: Das Zielobjekt streut bereits kräftig Staub. Die perfekte Gelegenheit, es genauer zu untersuchen.

"Rosetta" im Anflug: "Tschuri" benötigt 12,4 Stunden für eine Rotation um seine Achse
AFP / Esa Medialab / C.Carreau

"Rosetta" im Anflug: "Tschuri" benötigt 12,4 Stunden für eine Rotation um seine Achse


Der Zielkomet der Weltraummission "Rosetta" ist aufgewacht: Neue Aufnahmen des Kometen Tschurjumov-Gerasimenko, auch "Tschuri" genannt, von Ende April zeigen eine Staubwolke um den Himmelskörper, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen mitteilt. Diese sogenannte Koma reiche rund 1300 Kilometer ins All hinaus. "Wir sehen im Moment das Aufwachen des Kometen", erklärt der Wissenschaftler Holger Sierks.

"Rosetta" ist eine der ehrgeizigsten Missionen in der Geschichte der europäischen Weltraumagentur ESA. Die Raumsonde, die erst im Januar nach einer längeren Pause wieder erwacht ist, soll Aufschlüsse über die Zusammensetzung von Kometen liefern, die als Überbleibsel bei der Entstehung des Sonnensystems von 4,6 Milliarden Jahren gelten. Der europäische Kometenjäger "Rosetta" soll "Tschuri" im August erreichen, in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken und im November das Landegerät "Philae" auf dem Vier-Kilometer-Brocken aus Eis, gefrorenem Gas und Staub absetzen.

Der Abstand von "Rosetta" zu "Tschuri" betrug Ende vergangenen Monats noch rund zwei Millionen Kilometer. Die neuen Bilder des Schweifsterns wurden von "Osiris", dem wissenschaftlichen Kamerasystem der Sonde, zwischen Ende März und Anfang Mai aufgenommen. Mit ihrer Hilfe konnten die Forscher bereits jetzt berechnen, dass "Tschuri" 12,4 Stunden für eine Rotation um seine Achse benötigt - 20 Minuten weniger als bisher angenommen.

3D-Modell der Raumsonde

"Die genaue Kenntnis der Rotationsperiode des Kometen ist von äußerster Wichtigkeit", erklärt der Kometenexperte und "Osiris"-Forscher Stefano Mottola vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dies gelte sowohl für die optimale Planung von Mission und wissenschaftlichen Aufnahmen als auch für die Interpretation der gewonnenen Daten.

Sich dem Ursprung der Kometenaktivität nähern

Derzeit befindet sich "Tschuri" noch mehr als 600 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Nähern sich Kometen dem Zentralgestirn, verdampfen leichtflüchtige Gase von ihrer Oberfläche und reißen Fontänen aus winzigen Staubteilchen mit sich. Gase und Staub bleiben aber durch die Schwerkraft zum Teil an den Kometenkern gebunden und speisen die Koma, die Atmosphäre des Kometen.

Dass "Tschuri" schon früh aktiv geworden ist, bietet den Forschern die Gelegenheit, Staubentwicklung und Strukturen innerhalb der Koma bereits in einer frühen Phase der "Rosetta"-Mission zu untersuchen. "Es ist schwer zu glauben, dass Rosetta schon in wenigen Monaten in diese Staubwolke eintauchen und sich dem Ursprung der Kometenaktivität nähern wird", erklärte Sierks, der Leiter des "Osiris"-Teams.

Nachdem "Rosetta" den Lander "Philae" im August 2014 auf "Tschuri" abgesetzt hat, werden sich beide weiter der Sonne nähern, um im August 2015 den sonnennächsten Punkt zu erreichen. Dabei wird die Aktivität auf dem Kometen durch die Sonnenwärme beträchtlich zunehmen. Was genau dabei auf dem Schweifstern passiert, sollen die Messgeräte von "Rosetta" und "Philae" aufzeichnen.

Trainieren Sie Ihr Gedächtnis!

jme/afp

insgesamt 3 Beiträge
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stonemoma 15.05.2014
1. Gruß vom MPS
Schön was zu lesen was man jeden Tag vor Augen hat. Hier in unserm Neubau in Göttingen werden die Ausstellungsstücke gerade aufgebaut, auch ein Modell des Rosetta-Landers Philae. Ich hoffe für meine Kollegen, daß am 11.11. alles wie berechnet abläuft und die erste Landung auf einem Kometen klappt.
fadenscheinig 15.05.2014
2. Das Wort 'Lander'...
...klingt ja komisch, gibt es wahrscheinlich gar nicht. Vielleicht ist 'Landser' gemeint...?
wosenjohn 16.05.2014
3.
Zitat von fadenscheinig...klingt ja komisch, gibt es wahrscheinlich gar nicht. Vielleicht ist 'Landser' gemeint...?
Nein, Lander ist die korrekte Bezeichnung, ein Landser ist ein Soldat, und mir wäre nicht bekannt dass der Komet mit militärischen Mitteln erobert werden soll. http://de.wikipedia.org/wiki/Lander
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