Kometensonde "Rosetta" fliegt frühestens in einem Jahr

Die europäische Raumfahrt hat erneut einen Rückschlag erlitten: Die Vorzeigemission "Rosetta", mit der erstmals die Landung auf einem Kometen gelingen sollte, muss um mindestens ein Jahr verschoben werden.


Raumsonde "Rosetta" (Zeichnung): Suche nach neuem Ziel
ESA/ AOES

Raumsonde "Rosetta" (Zeichnung): Suche nach neuem Ziel

Die Raumsonde "Rosetta" bleibt vorerst am Boden: Die Europäische Weltraumagentur Esa hat den Start um mindestens ein Jahr verschoben. Ursache sind Probleme mit der vergrößerten Ariane-5-Rakete. Das neue Modell musste vor einem Monat auf seinem Jungfernflug gesprengt werden, wobei zwei Satelliten verloren gingen. Die danach eingeleitete Überprüfung der Basisversion der Ariane-5 könne nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, hieß es jetzt.

Die "Rosetta"-Mission zum Kometen Wirtanen sei damit gescheitert, erklärte der Esa-Wissenschaftsdirektor David Southwood am Mittwoch in Paris. Die Sonde hätte wegen der astronomischen Konstellation ihre acht Jahre lange Reise spätestens bis zum 31. Januar antreten müssen. Nun sucht die Esa nach einem neuen Ziel für die drei Tonnen schwere Sonde. "Rosetta" dürfte deshalb erst in einem bis zweieinhalb Jahren in den Weltraum aufbrechen, so Southwood.

Southwood bezeichnete "Rosetta" als "eine der anspruchsvollsten Missionen, die je unternommen worden sind". Das Ein-Milliarden-Euro-Projekt sei wegen seiner wissenschaftlichen Bedeutung, aber auch wegen seiner komplexen und spektakulären Raumflugmanöver einzigartig. "Rosetta" sollte nach dem Start dreimal mit Vorbeiflügen an Mars und Erde Schwung holen und insgesamt viermal die Sonne umkreisen.

Nach der Ankunft am Kometen Wirtanen, die für 2011 geplant war, sollte ein Landegerät auf dem eisigen Schweifstern aufsetzen. Von der Mission erhofften sich Wissenschaftler neue Erkenntnisse über Kometen, die wiederum Aufschluss über den Ursprung des Sonnensystems geben könnten. Die Sonde sollte auch die Frage beantworten helfen, ob die "schmutzigen Schneebälle" zur Entstehung des Lebens auf der Erde beigetragen haben.

Das vorläufige Scheitern der Mission ist auch ein Rückschlag für die europäische Trägerrakete Ariane-5. Der Absturz der vergrößerten Version sollte, wie es zunächst hieß, keine größeren Auswirkungen auf das Flugprogramm der Basisversion haben. Southwood sagte nun jedoch, es sei nicht möglich, eine Ariane-5 in aller Sicherheit zu starten, solange die Überprüfung nicht abgeschlossen sei. Der Totalverlust am 11. Dezember ging auf einen Fehler im Haupttriebwerk zurück, das extra für die neue Ariane-5 entwickelt worden war.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.