Kosmische Entdeckung Asteroiden-Crash malt X ins All

Kollision im All: Bilder des Weltraumteleskops "Hubble" zeigen einen Asteroiden mit gewaltiger Staubwolke. Offenbar handelt es um die Spur eines kosmischen Zusammenstoßes. Zwei Brocken kollidierten mit mehr als 17.000 Kilometern pro Stunde.

X-förmiges Gebilde: Kollisionsspur zweier Asteroiden
AFP/ NASA/ ESA/ UCLA

X-förmiges Gebilde: Kollisionsspur zweier Asteroiden


Washington - Mehrere Teleskope auf der Erde und im All haben offenbar den Überrest eines Zusammenstoßes zweier Asteroiden fotografiert. Mit Hilfe der europäischen Raumsonde "Rosetta" konnten Forscher des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau den Crash nachweisen. Auch das New Technology Telescope (NTT) der Europäischen Südsternwarte (Eso) kam zum Einsatz.

Ein besonders spektakuläres Bild gelang auch dem US-Weltraumteleskop "Hubble". Darauf konnten Astronomen ein bizarres X-förmiges Gebilde an der Spitze eines kometenartigen Schweifs identifizieren. Experten der US-Weltraumbehörde Nasa deuteten es als die Trümmerwolke zweier Asteroiden. "Hubble" nahm die Bilder des Asteroiden "P/2010 A2" zwischen Januar und Mai auf, wie die Nasa mitteilte.

"P/2010 A2" war nach Erkenntnissen der Forscher 120 Meter dick. Im Februar oder März 2009 sei der Asteroid mit einer Geschwindigkeit von 17.700 Kilometern pro Stunde auf einen deutlich kleineren Asteroiden geprallt.

Dass sich der Schweif aus Trümmerstücken mit leistungsstarken Teleskopen direkt beobachtet lässt, verzückt die Forscher. "Das ist so, als würde man statt Fossilien einen vollständigen Dinosaurier finden", sagt MPS-Forscher Colin Snodgrass. Er ist einer der Autoren eines Artikels im Fachmagazin "Nature", in dem der Zusammenstoß beschrieben wird.

Ort des Zusammenstoßes war nach Angaben der Wissenschaftler der Asteroidengürtel, der sich zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Mars und Jupiter befindet. Hier ziehen die meisten der auch Planetoiden genannten Felsbrocken ihre Bahn um die Sonne.

Bei der Kollision im vergangenen Jahr soll die Energie einer kleinen Atombombe freigesetzt worden sein. Zusammenstöße von Kleinkörpern im Sonnensystem gelten als nicht ungewöhnlich: Der US-Astronom David Jewitt schätzt, dass etwa einmal im Jahr kleinere Asteroiden miteinander kollidieren. Die nun von "Hubble" enthüllte X-Struktur des Crash-Überrests gibt den Astronomen allerdings derzeit noch Rätsel auf.

Kosmische Steingeschosse können auch der Erde gefährlich werden. Im Januar 2008 etwa verfehlte ein 250-Meter-Brocken die Erde nur knapp. Erst vergangenen Dienstag war ein kleiner Asteroid in vergleichsweise geringem Abstand an der Erde vorbeigeschossen.

Fotostrecke

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"AsteroidFinder": Suche nach der kosmischen Bedrohung

Aufgrund des Einschlagsrisikos bereitet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Satellitenmission "AsteroidFinder" vor (siehe Fotostrecke), die Asteroiden aufspüren soll, die zwischen der Erde und der Sonne ihre Bahnen ziehen. Zu sehen waren diese sogenannten Inner Earth Objects bisher kaum, weil sie sich gegen die Sonne nur schwer beobachten lassen.

boj/chs/AFP



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