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Kosmische Eruption Größter Sonnensturm seit Jahren trifft auf die Erde

Es war einer der schwersten Ausbrüche auf der Sonne seit Jahren - nun beutelt ein massiver Sonnensturm das Erdmagnetfeld. Erste Satelliten haben seine Wucht bereits zu spüren bekommen. Immerhin: Nordlichtfans sind voller Vorfreude.

Hamburg - Einer der stärksten Sonnenstürme seit mehreren Jahren beutelt gerade das Magnetfeld der Erde. Das Space Weather Prediction Center der US-Regierung erklärte, der Teilchenstrom gehe auf Sonneneruptionen am Dienstag zurück. Die Folgen könnten mindestens bis Freitag andauern. Außerdem könnten von mehreren aktiven Regionen der Sonne noch weitere Teilchenstürme ausgehen, die die Erde treffen könnten.

Der Partikelstrom schießt mit einer Geschwindigkeit von mehreren Millionen Kilometern in der Stunde durchs All. Die geladenen Teilchen verursachen bereits Probleme im Orbit. "Wir haben ein paar Satelliten, die ihre wissenschaftlichen Experimente nicht nutzen können", sagt Paolo Ferri von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) SPIEGEL ONLINE. Betroffen seien unter anderem die Weltraumobservatorien "Intergral" und "XMM-Newton". Bei der "Cluster"-Satellitenkonstellation, die das Erdmagnetfeld erforscht, habe es zumindest zeitweise Elektronikprobleme gegeben. Zumindest diese habe man aber mittlerweile wieder im Griff.

Auch die Raumsonde "Venus Express" habe durch den Sonnensturm mit Problemen zu kämpfen, beklagt Ferri: "Seit gestern morgen sind wir blind." Der Partikelsturm sei an der Venus noch stärker gewesen als an der Erde. Deswegen seien die Sternensensoren der Sonde geblendet. Sie könnten derzeit nicht zur Lageregelung genutzt werden. Dafür kommen in einem solchen Fall sogenannte Kreiselinstrumente zum Einsatz. "Für ein, zwei Tage ist das okay", sagt Ferri. "Wir müssen aber damit rechnen, dass wir vielleicht über mehrere Tage keine Sternensensoren haben."

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Starker Sonnensturm: Satelliten im Dauerbeschuss

Foto: NASA/ SDO/ AIA

"Das ist ein ansehnliches Ereignis, aber nicht extrem"

Die Nasa hat auf Basis von Daten der Sonnenobservatorien "Soho" und "Stereo" ausgerechnet, dass unter anderem die Satelliten "Messenger", "Spitzer" und "Stereo-B" von dem Sonnensturm getroffen werden könnten.

Potentiell gefährdet sind zudem die GPS-Satelliten und Anwendungen, die auf die Positionssignale aus dem All angewiesen sind. Auch in Stromnetzen können Sonnenstürme in seltenen Fällen für Probleme sorgen. Störungen des Funkverkehrs sind ebenfalls möglich. In der Vergangenheit haben Fluggesellschaften deswegen immer wieder einmal Flüge aus der Nordpolregion umgeleitet, wo die Probleme besonders stark auftreten können. So hatte Delta Airlines nach einem Sonnensturm im Januar ein halbes Dutzend Maschinen auf einen anderen Kurs geschickt.

"Das ist ein ansehnliches Ereignis, aber nicht extrem", erklärt Bill Murtagh vom Space Weather Prediction Center. In den vergangenen Jahren war die Sonne vergleichsweise ruhig, deswegen fallen Ereignisse wie die aktuellen stärker auf. Ende des Jahres 2013 soll der aktuelle Sonnenzyklus sein Aktivitätsmaximum erreichen. Der Sonnensturm könnte auch dafür sorgen, dass stärkere Polarlichter als sonst durch hohe Schichten der Atmosphäre tanzen - und das auch in Gegenden, in denen man die Erscheinung nur selten zu sehen bekommt. "Himmelsbeobachter auf allen Breitengraden sollten nach Polarlichtern Ausschau halten", frohlockt das Web-Portal Spaceweather.com .

chs
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