Kosmische Verschmelzung Schwarze Löcher stehen kurz vor Kollision

Sie sind nur noch ein Drittel eines Lichtjahres voneinander entfernt und stürzen aufeinander zu: Zwei Schwarze Löcher in einer weit entfernten Galaxie stehen kurz vor der Verschmelzung. Es wäre das erste Mal, das Forscher ein solches Spektakel direkt beobachten können.

Forscher sind in einer weit entfernten Galaxie auf zwei Schwarze Löcher gestoßen, die bald miteinander verschmelzen könnten. Eine solche Verbindung wird in vielen Galaxien vermutet, ist bisher jedoch noch nie sicher beobachtet worden. Todd Boroson und Tod R. Lauer vom National Optical Astronomy Observatory in Arizona fanden nun überzeugende Hinweise dafür, dass sich in der Galaxie zwei Schwarze Löcher in einer Spirale aufeinander zubewegen. Boroson und Lauer veröffentlichen ihre Ergebnisse im Fachmagazin " Nature ".

Fusionierende schwarze Löcher (Zeichnung): Nur noch ein Drittel eines Lichtjahres voneinander entfernt

Fusionierende schwarze Löcher (Zeichnung): Nur noch ein Drittel eines Lichtjahres voneinander entfernt

Foto: DDP

In vielen Galaxien befinden sich Schwarze Löcher. Da die Sternsysteme häufig miteinander verschmelzen, nahm man an, dass Schwarze Löcher das gleiche tun. Die Daten über den Quasar SDSS J153636.22+044127.0 deuten nun darauf hin, dass hier tatsächlich gerade zwei Schwarze Löcher ineinanderfallen, erklären die Forscher.

Die beiden Giganten seien nur noch ein Drittel eines Lichtjahres voneinander entfernt - im Kosmos ein Katzensprung. Diese Distanz entspräche dem 1300-Fachen des sogenannten Ereignishorizonts des größeren der beiden Löcher: Beim Unterschreiten dieser Schwelle ist es physikalisch unmöglich, der Anziehung eines Schwarzen Lochs zu entkommen. Das größere der beiden Löcher habe die 50-millionenfache Masse unserer Sonne. Das kleinere die 20-millionenfache.

Die Forscher analysierten Daten der Sloan Digital Sky Survey, einem internationalen Projekt, das seit 1998 Teleskopaufnahmen in verschiedenen Wellenlängen anfertigt - mit dem ehrgeizigen Ziel, ein Viertel des Himmels zu durchmustern. Ein Ziel des Projekts sind sogenannte Quasare - ferne Galaxien, die im Bereich des sichtbaren Lichts fast punktförmig erscheinen, in anderen Wellenlängen aber große Energiemengen freisetzen.

Die Wissenschaftler entwickelten ein Computerprogramm, um die Aufnahmen von etwa 17.500 Quasaren nach ungewöhnlichen Wellenspektren zu durchsuchen. Dabei stießen sie auf den Quasar SDSS J153636.22+044127.0, in dem an zwei Stellen das Lichtspektrum in Richtung rot verschoben war. An solchen Rotverschiebungen können Astronomen Schwarze Löcher erkennen.

lub/ddp
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