Kosmischer Crash Staubwolke könnte junge Erde enthalten

Astronomen haben nach jahrelanger Suche eine gewaltige Staubscheibe um einen Stern entdeckt, die auf die Kollision riesiger Felskörper hindeutet. Die Entdeckung bestätigt die Theorie, dass auf diese Weise Planeten wie die Erde entstehen.


Kollision zwischen Gesteinskörpern (Zeichnung): Theorie über Planetenentstehung gestärkt
REUTERS/ Gemini Observatory

Kollision zwischen Gesteinskörpern (Zeichnung): Theorie über Planetenentstehung gestärkt

Der Stern BD +20 307 trägt einen etwas sperrigen Namen, ist aber von der dichtesten Staubwolke umhüllt, die Astronomen je bei einem Himmelskörper von der Größe unserer Sonne beobachtet haben. "Wir hatten großes Glück", schwärmt Inseok Song vom Gemini Observatory. "Das ist, als ob man die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen aufspürt."

Songs Team hat gefunden, wonach Astronomen in jahrelanger Kleinarbeit Hunderttausende Sterne abgesucht haben: eine Staubscheibe, die auf eine erst kurz zurückliegende Kollision zwischen großen Gesteinskörpern schließen lässt. "Der Staub entspricht exakt dem, was wir von der Kollision felsiger Asteroiden oder gar planetengroßen Objekten erwarten würden", erklärt Song.

Wissenschaftler hegen schon lange den Verdacht, dass Planeten wie die Erde aus Kollisionen zwischen Gesteinsbrocken hervorgehen. Im Laufe von Jahrmillionen verklumpen sie demnach zu immer größeren Objekten, bis schließlich Gesteinsplaneten wie die Erde, der Mars oder die Venus entstehen.

Die jetzt entdeckte Staubscheibe stärkt diese Hypothese, schreiben Song und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Nature" (Bd. 436, S. 363). Zudem ist die Staubscheibe in etwa so weit vom Stern entfernt wie die Erde von der Sonne. "Das steigert die Bedeutung dieser Entdeckung", betont Song.

Bei dem Crash, der die jetzt beobachtete Staubwolke aufgewirbelt hat, waren nach Ansicht der Astronomen Objekte von mindestens 300 Kilometern Durchmesser beteiligt - so groß wie die größten in unserem Sonnensystem bekannten Asteroiden. "Die Kollision hat eine große Menge Gestein total pulverisiert", sagt Songs Kollegin Alycia Weinberger. Der Staub sei so feinkörnig, dass der Zusammenstoß höchstens 1000 Jahre zurückliegen könne. Ansonsten wären die Teilchen, mitunter nicht größer als Zigarettenrauch-Partikel, längst in dem Stern verschwunden.

Tierkreislicht am Vulkan Mauna Kea auf Hawaii: Leuchtende Staubfetzen
Gemini Observatory

Tierkreislicht am Vulkan Mauna Kea auf Hawaii: Leuchtende Staubfetzen

Aus einem großen Crash ist der gängigen Theorie zufolge auch der Mond entstanden: Der Treffer eines marsgroßen Brockens schleuderte riesige Gesteinsmengen aus der noch jungen Erde ins All, die zu einem immer größeren Objekt verklumpten und seither als Mond die Erde umrunden.

Der Stern BD +20 307, der rund 300 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt, ist den Forschern zufolge vor rund 300 Millionen Jahren entstanden. Damit ist er im Vergleich zu unserer rund 4,6 Milliarden Jahre alten Sonne zwar noch ein kosmischer Jüngling, aber schon alt genug, dass große Gasplaneten entstanden sein könnten. Sie würden das Wachstum der kleineren Gesteinsplaneten beeinflussen, wie es etwa der Jupiter in unserem Sonnensystem getan hat.

Das staubige Umfeld von BD +20 307 ähnelt den Resten der Staubscheibe, aus denen einst unser Sonnensystem hervorging. "Es ist allerdings erstaunlich, dass es rund eine Million Mal dichter ist als der heutige Staub um unsere Sonne", sagte Eric Becklin von der University of California in Los Angeles.

Die dünnen Staubschwaden sind noch heute mit bloßem Auge zu erkennen: Sie zerstreuen das Sonnenlicht und verursachen ein extrem schwaches Leuchten - das sogenannte Zodiakial- oder Tierkreislicht.



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