Kosmischer Vagabund Kleiner Asteroid rast an der Erde vorbei

Mit 36.000 Kilometern in der Stunde durchs All: Der Asteroid "2010 AL30" raste nach kosmischen Maßstäben sehr dicht an der Erde vorbei. Furchterregend war er nicht. Doch der nächste große Brocken kommt bestimmt - und die Menschheit ist schlecht vorbereitet.

Flugbahn von "2010 AL30": Geschätzter Durchmesser von zehn bis fünfzehn Metern
NASA / JPL

Flugbahn von "2010 AL30": Geschätzter Durchmesser von zehn bis fünfzehn Metern


Washington - Das alltägliche Bombardement aus dem All macht uns gar nichts aus - weil wir quasi nie etwas davon mitbekommen. Jeden Tag fallen mehr als hundert Tonnen kosmischer Staub auf die Erde, meist in Form sandkorngroßer Partikel. Und etwa einmal im Jahr verglüht ein Brocken von der Größe eines Autos in der Atmosphäre und sorgt für einen spektakulären Feuerball. Die Forscher der US-Weltraumbehörde Nasa gehen davon aus, dass Asteroiden von weniger als 25 Metern Durchmesser normalerweise in der Erdatmosphäre verglühen.

"2010 AL30" blieb dieses Schicksal erspart. Der kleine Asteroid flog am Mittwoch knapp an der Erde vorbei - zumindest nach kosmischen Maßstäben. Gegen 13.46 Uhr (MEZ) raste er nach Berechnungen der Nasa mit einer Entfernung von rund 130.000 Kilometer an der Erde vorbei, so das Asteroiden-Beobachtungsprogramm der Nasa. Das entspricht einem Drittel der Distanz zwischen Erde und Mond. Das kosmische Geschoss war knapp 36.000 Kilometer pro Stunde schnell und hat einen geschätzten Durchmesser von zehn bis fünfzehn Metern.

Forscher rätseln, worum es sich bei dem Vagabunden aus dem All genau handelt. Einige Wissenschaftler vermuten, dass er ein Trümmerstück einer Weltraumrakete sein könnte. Das liegt daran, dass die Umlaufzeit des Objekts um die Sonne beinahe genau so lang ist wie die der Erde. Bei der Nasa hält man diese Theorie allerdings nach der genaueren Betrachtung der Bahn für eher unwahrscheinlich. Außerdem ließe sich das Teil derzeit auf keinen bekannten Raketenstart zurückführen.

Brocken erst kürzlich aufgespürt

Der Brocken war erst vor wenigen Tagen von Forschern des Massachusetts Institute of Technology entdeckt worden. Doch alle 2000 Jahre ist der Nasa zufolge - statistisch gesehen - mit dem Einschlag eines rund 100 Meter großen Geschosses zu rechnen. Dadurch würde zumindest die Einschlagregion heftig verwüstet.

Mit einem Asteroiden, der die irdische Zivilisation bedrohen kann, ist statistisch zumindest alle paar Millionen Jahre zu rechnen. Die Nasa rechnet erst bei einem Einschlag eines mehr als einen Kilometer großen Objekts mit globalen Folgen. Derzeit hätte die Menschheit aber auch keine funktionierende Rettungstechnik, um einen großen Asteroiden auf Kollisionskurs doch noch abzulenken. Sogar das Geld für die Suche nach den fliegenden Brocken ist knapp.

Welche spektakulären Folgen der Einschlag eines großen kosmischen Objekts auf einem Planeten haben kann, sahen Astronomen zuletzt im vergangenen Sommer. Damals war auf dem Jupiter ein Asteroid oder Komet eingeschlagen - und hatte zeitweise eine Narbe von der Größe des Pazifischen Ozeans hinterlassen (siehe Fotostrecke links).

chs/dpa/apn



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.