Kosmisches Echo 13,1 Milliarden Jahre alter Sternentod gesichtet

Am Rande des sichtbaren Alls haben Astronomen eine gewaltige Explosion aus der Anfangszeit des Universums entdeckt. Der Gammablitz ereignete sich nach kosmischen Maßstäben kurz nach dem Urknall. Ein langes Glimmen verriet den Methusalem.

NASA/ Swift/ Stefan Immler

Das Universum war noch rund 520 Millionen Jahre jung, als ein Stern in einer gewaltigen Explosion sein Leben aushauchte. Strahlung, die er dabei aussendete, hat vor zwei Jahren die Erde erreicht - und wurde von Astronomen registriert. Der Gammablitz, der sich ihren Berechnungen zufolge 13,1 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt ereignete, befindet sich am Rand des für uns sichtbaren Universums.

"Wäre ich in Las Vegas, würde ich nicht dagegen wetten, dass dies der am weitesten entfernte Gammablitz ist, der je entdeckt wurde", sagt Antonino Cucchiara, der Hauptautor der Studie, die im "Astrophysical Journal" veröffentlicht werden soll. Ob die Distanz zur Sternenexplosion auch die zu allen bisher gesichteten Galaxien übersteigt, können die Astronomen allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Es bestehe eine 23-prozentige Chance, dass der Gammablitz das am weitesten entfernte Objekt überhaupt sei, das Astronomen je aufgezeichnet haben, sagt Cucchiara.

Im April 2009 hat der Nasa-Satellit "Swift"den Gammablitz "GRB 090429B" entdeckt. Schon nach Sekunden war der heftige Ausbruch vorbei - das ist bei Gammablitzen meist so. Sie haben jedoch ein Nachleuchten, das Tage oder Wochen andauert. Dieses beobachteten Astronomen mit dem Gemini-North-Teleskop auf Hawaii. Dabei stellen sie fest: Im Bereich des sichtbaren Lichts gab es kein Nachleuchten, jedoch im Infrarotbereich. Das sei typisch für sehr weit entfernte Objekte, teilt die Penn State University, an der Mitautor Derek Fox arbeitet, mit.

Dass das Team aus mehr als 30 Astronomen ihre Entdeckung erst jetzt veröffentlichen, daran ist das Wetter auf Hawaii Schuld. Das machte ihnen nämlich im April 2009 einen Strich durch die Rechnung. Als sie mit dem Gemini-Teleskop das Nachleuchten weiter beobachten wollten, bewölkte sich der Himmel über dem Mauna Kea, wo das Teleskop steht. In der nächsten Nacht war das Nachleuchten schon zu schwach, um die gewünschten Daten daraus ableiten zu können.

Eine Puzzlearbeit begann, indem die Astronomen ihre Beobachtung mit anderen Gemini-Daten, welchen des Hubble-Teleskops und des VLT in Chile abglichen. Dabei zeigte sich: Eine Galaxie ist an der Stelle, an der sich die Sternenexplosion ereignete, nicht zu sichten. "Das bedeutet, dass diese Galaxie so weit entfernt ist, dass wir sie per Teleskop nicht sehen können", sagt Cucchiara.

Aufgrund der Daten nehmen die Forscher an, dass der sterbende Stern, der den Gammablitz verursachte, nicht zur allerersten Sternengeneration zählte. Diese verschließt sich bislang auch den leistungsstärksten Teleskopen.

Pro Tag ereignen sich etwa zwei Gammablitze in dem Bereich des Universums, den Astronomen mit heutigen Methoden beobachten können. Sie zählen zu den spektakulärsten Ereignissen im All: Innerhalb von Sekundenbruchteilen können sie mehr Energie freisetzen als die Milchstraße innerhalb eines ganzen Jahres.

wbr



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