Lädierter Mars-Rover "Spirit" geht der Saft aus

Der Mars-Rover "Spirit" schleift ein Rad mit, dessen Motor nicht mehr reagiert. Das könnte dem Roboter zum Verhängnis werden. Im nahenden Mars-Winter muss er sich auf einen Hügel retten, denn ohne Sonne wird "Spirit" schon bald die Energie ausgehen.


Es hatte alles so ausgesehen, als würde das knuffige Roboterfahrzeug der Nasa sein geplantes Soll zehnfach übererfüllen: Auf 90 Marstage war die Mission von "Spirit" im Januar 2004 veranschlagt worden. Doch das sechsrädrige Gerät fuhr munter weiter, mittlerweile hat es fast schon 800 Marstage lang Fotos vom Nachbarplaneten zur Erde gefunkt und Gesteinsproben genommen.

Jetzt bringen ein defektes Rad und der nahende Winter den Marsrover "Spirit" in arge Bedrängnis. "Es zieht überhaupt keinen Strom", sagte Jacob Matijevic, der Chefingenieur des Rovers. Das Jet Propulsion Laboratory der Nasa im kalifornischen Pasadena teilte mit: Das Rad arbeitet nicht mehr.

Schon einmal hatte der Roboter Radprobleme gehabt. Damals lag es an der Schmierung. Nun scheinen die Kontaktbürsten Schwierigkeiten zu machen. Sie sollen eigentlich Strom auf die beweglichen Teile des Motors übertragen. Die Nasa-Ingieure vermuten, dass dieser Kontakt nun abgebrochen ist. Jeder der sechs einzelnen Motoren von "Spirits" Rädern hat sich seit Januar 2004 rund 13 Millionen Mal gedreht - dies übertrifft die ursprünglich definierten Ansprüche an das Material bei weitem. "Spirit" hat bereits sein Abschürf-Werkzeug zur Gesteinsproben-Gewinnung eingebüßt, weil dessen Metallzähne zu stark abgenutzt waren.

Wettlauf gegen den Winter

Wegen des streikenden Motors kommt der Marsrover nur langsam vor. Zusätzlich verlangsamt wird er durch häufige Stopps zur Inspektion des rechten Vorderrades. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könnte das fatale Folgen haben, denn an "Spirits" Aufenthaltsort rückt der Marswinter näher.

Das bedeutet, dass die Sonnenlichteinstrahlung täglich abnimmt. Gegenwärtig reicht die Elektrizität, die "Spirits" Solarzellen noch erzeugen können, für nicht mehr als eine Stunde Fahrt am Tag aus - auf ebenem Untergrund. Die Solarzellen des Roboters produzieren 15 Prozent weniger Strom als noch im Februar und nur noch halb soviel wie im Marssommer.

Die Nasa-Forscher wollen das Gefährt auf die Nordseite einer Anhöhe namens McCool fahren. Nur dort könnte "Spirit" noch ein paar Sonnenstrahlen einfangen, wenn in rund 100 Tagen auf der Südseite des roten Planeten der dunkelste, kälteste Tag kommt. Von diesem Winterquartier ist "Spirit" noch knapp 120 Meter entfernt. Mit dem aktuellen Defekt vermag er aber kaum mehr als zehn Meter zurückzulegen.

Der Zwillingsroboter von "Spirit", ein baugleiches Gefährt mit dem Namen "Opportunity", hält sich näher am Äquator des Planeten auf und hat keine Probleme mit dem Winter auf der Südhalbkugel. "Opportunity" ist unterwegs zum gigantisch großen Victoria-Krater.

stx/AP



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