Laufbahnkorrektur Forscher testen Seilbahn für Satelliten

Mit einem in der Erdumlaufbahn aufgespannten Seil wollen US-Forscher die Position von Satelliten korrigieren. Um die Technik zu testen, werden nun drei Mini-Satelliten ins All geschossen, die ein Kilometer langes Seil verbindet.


Die Idee, Satelliten an einem Seil ins All zu hieven, ist schon etwas älter. Bis zur Umsetzung eines solchen Weltraumfahrstuhls wird es noch ein Weilchen dauern. Probleme bereiten unter anderem das Seil, das zugleich extrem stabil und extrem leicht sein muss, und die Energieversorgung.

Satellit mit Seilverbindung (Zeichnung): Höhe von Orbitern korrigieren
NASA

Satellit mit Seilverbindung (Zeichnung): Höhe von Orbitern korrigieren

Technisch einfacher zu realisieren ist da eine Seilbahn für Satelliten. Die Nasa hat damit sogar schon einige Erfahrungen gesammelt. Bei einem Experiment 1994 riss ein 20 Kilometer langes Seil schon nach fünf Tagen im Orbit - vermutlich nach einem Treffer durch einen Mikrometeoriten. Ein 1997 eingesetztes, vier Kilometer langes Seil hielt hingegen erstaunlicherweise fast zehn Jahre.

Nun bereiten Wissenschaftler eine neuen Mission mit drei Minisatelliten vor. Zwei der Orbiter sollen ein rund einen Kilometer langes Seil an beiden Enden festhalten, während sich ein dritter Satellit entlang der Verbindung bewegt. Die Forscher um Bob Twiggs von der Stanford University in Kalifornien wollen dabei untersuchen, wie stabil sich die Dreierformation im Erdorbit bewegt und ob das Seil den Einschlag von Mikrometeoriten übersteht. "Wenn wir so etwas machen wollen, müssen wir die Bewegungen genau vorhersagen können und unter Kontrolle haben", sagte Rob Hoyt dem Onlinedienst des Magazins "New Scientist". Er leitet die Firma Tethers Unlimited, die das Seil herstellt.

Am 17. April sollen die drei Satelliten vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abheben. Sie sind so groß wie Schuhkartons und werden in einer Höhe von 750 Kilometern das ein Kilometer lange und nur wenige Millimeter dicke Seil aufspannen. Wie die Gondel einer Seilbahn soll sich dann der dritte Minisatellit dazwischen bewegen. Eine komplette Strecke wird rund sieben Tage dauern, schätzen die Forscher. Alle drei Satelliten haben Navigationsgeräte für eine exakte Positionsbestimmung an Bord. Damit können die Wissenschaftler verfolgen, wie das Seil aufgespannt ist und wo sich das mittlere Gerät gerade befindet.

Mit einer Kamera soll die Satellitengondel das aus drei Einzelfäden verdrillte Seil abtasten und auf Schäden durch kleinste Meteoriten absuchen. Das Seil hat eine netzartige Struktur, so dass es Einschlägen widerstehen soll.

In Zukunft könnte die Position von Satelliten über solche Seilbahnen korrigiert werden, beispielsweise wenn sie an Höhe verlieren. In den Vorstellungen der Forscher können Trägerraketen neue Satelliten auch am unteren Seilbahnende anliefern. Der Transportmechanismus würde die Satelliten dann kosten- und treibstoffsparend auf eine weiter außen liegende Umlaufbahn hieven.

hda/ddp



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