Testflug auf Hawaii Bremsmanöver mit fliegender Untertasse

Ein Landesystem in Form einer fliegenden Untertasse soll künftig schwere Lasten auf dem Mars absetzen. In einem eindrucksvollen Video zeigt die Nasa, wie die Technik funktioniert - oder eben nicht.

Nasa

"Wenn man die Gelegenheit bekommt, auf einer raketenbetriebenen fliegenden Untertasse mitzureisen - dann ist das ein guter Tag!", freute sich Ian Clark vom kalifornischen Jet Propulsion Laboratory auf einer Pressekonferenz. Die fliegende Untertasse ist der Low-Density Supersonic Decelerator (LDSD), den Clark mitentwickelt hat. Mit dem Gefährt will die Nasa testen, wie sie in Zukunft schwere Lasten sicher auf der Marsoberfläche absetzen kann.

Clark saß zwar nicht selbst mit an Bord der über drei Tonnen schweren Scheibe - aber dafür mehrere hochauflösende Videokameras, die spektakuläre Bilder von den Bremstests am 29. Juni lieferten. Die Videos stellten die Forscher nun der Öffentlichkeit vor.

Im ersten Test lief noch alles glatt: Der LDSD beschleunigte mehr als 55 Kilometer über der Erde auf 3,8fache Schallgeschwindigkeit. Schließlich bremste eine riesige ringförmige Superbremse, der Supersonic Inflatable Aerodynamic Decelerator (SIAD), das Gefährt auf zweifache Schallgeschwindigkeit ab. Das Prinzip ist vergleichsweise simpel: Der Ring bläht sich auf und vergrößert dadurch die Oberfläche des Gefährts.

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Testflug: Fliegende Untertasse landet im Pazifik
Nützlicher Absturz für die Wissenschaft

Der zweite Test mit dem Supersonic Disksail Parachute, dem größten Überschall-Fallschirm aller Zeiten mit einem Durchmesser von 34 Metern, endete nicht ganz so glorreich. Der Fallschirm zerfetzte Sekundenbruchteile nach seiner Öffnung. Die Bilder sind trotzdem beeindruckend - und hilfreich für die Forscher.

Der Supersonic Disksail Parachute ist mehr als doppelt so groß wie der Fallschirm, den die Mars Science Laboratory (MSL) Mission verwendete, um den Mars-Rover Curiosity auf dem Roten Planeten abzusetzen. Aus der Anordnung der Risse im Material und der Art, wie sie sich ausbreiten, ließen sich "signifikante neue Einsichten in die fundamentale Physik der Fallschirminflation gewinnen", sagt Clark. "Wir schreiben hier im wahrsten Sinne des Wortes die Geschichte der Hochgeschwindigkeits-Fallschirmoperationen um." Für Juni 2015 sind zwei weitere LDSD-Tests geplant.

Tatsächlich scheint es an der Zeit, neue Technologien für eine Marslandung zu testen. Alles, was die Nasa bislang aufzuweisen hat, datiert noch zurück auf die Viking-Mission im Jahr 1976. Mit den damaligen Landetechnologien lassen sich aber nur relativ leichte Objekte auf den Mars befördern. Weil die Nasa aber plant, in Zukunft größere Lasten dorthin zu bringen, müssen neue Ideen her. Die Bedingungen in 55 Kilometer Höhe sind ideal dafür: Sie ähneln denen in der dünnen Atmosphäre des Mars.

anf



insgesamt 2 Beiträge
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rkinfo 14.08.2014
1. Landung schwerer Lasten auch nützlich für unbemannte Mars Missionen
Die jetzigen Mars Rover fliegen als recht teure Einzelstücke zum Mars. Es wäre aber per SLS Rakete machbar gleich 2-4 Rover zu starten bei geringen Mehrkosten je Rover und auch die Missionskontrolle wäre kaum teurer bei 2-4 Rover statt einem. Nasa benötigt langjährig erprobte Landesysteme zum Mars damit ein bemanntes Projekt sicher planbar und somit finanzierbar wird.
cbhb 14.08.2014
2. Da sind die Ausserirdischen...
...also doch garnicht so blöde gewesen dass sie die Erde in fliegenden Untertassen besucht haben! ;-)
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