Leben auf dem Mars Die Antwort liegt im Wüstenstaub

Bei der Suche nach primitivem Leben auf dem Mars haben die alten "Viking"-Sonden möglicherweise nicht genau genug hingeschaut. Darauf deuten Messungen in der südamerikanischen Atacama-Wüste hin - einem idealen Testgelände für zukünftige Missionen.


Mars: Der Atacama-Wüste nicht unähnlich
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Mars: Der Atacama-Wüste nicht unähnlich

Die trockenste Region ist gerade gut genug: Einzig in der Atacama-Wüste, die sich über 1000 Kilometer vom Norden Chiles bis in den Süden Perus erstreckt, finden sich auf der Erde Bedingungen fast wie auf dem Roten Planeten. Die Zusammensetzung des südamerikanischen Bodens kann dabei viel über mögliches Leben auf dem Mars erzählen, wie ein internationales Forscherteam jetzt im Fachmagazin "Science" berichtet.

Die Wissenschaftler haben Bodenproben aus der Atacama-Wüste analysiert und mit Ergebnissen verglichen, die in den 70er-Jahren von den "Viking"-Missionen zurück zur Erde gefunkt wurden. Denn die damaligen Ergebnisse sind alles andere als eindeutig.

So konnten die Nasa-Sonden auf dem Mars, nachdem sie vor Ort Bodenproben auf ihre Bestandteile untersucht hatten, keine Spuren organischer Materialien entdecken. Die Kohlenstoffverbindungen gelten aber als eine Grundvoraussetzung für jegliche Form des Lebens.

Gleichzeitig deuten zwei andere "Viking"-Experimente auf Vorgänge im Boden hin, die sich allein mit toter Materie kaum erklären lassen: Wird Wasserdampf durch den Marsstaub gejagt, setzt dieser schnell große Mengen an Sauerstoff frei, ganz so wie es organische Materie auch tun würde. Zudem baut der Marsboden von sich aus organische Stoffe ab - als sei er mit Mikroorganismen gespickt.

Um diesen Widerspruch zu klären, hat das Team um Rafael Navarro-González von der Universität in Mexico City die "Viking"-Experimente nun wiederholt - mit dem Staub der Atacama-Wüste. In den nicht ganz so trockenen Ecken der Region konnten sie dabei durchaus Bakterien und Biomoleküle ausmachen: Spuren, die auch die Instrumente aus den siebziger Jahren hätten entdecken müssen.

Staub aus den trockensten Gebieten der Atacama zeigte zunächst keine Hinweise auf Leben. Erst als die Analysetemperaturen deutlich erhöht wurden - höher als an Bord der "Viking"-Sonden - wurden die Forscher auch in diesen Proben fündig.

"Offensichtlich sind wir an die Grenzen der Trockenheit gestoßen, bei der mikrobielles Leben gerade noch möglich ist", schreiben die Wissenschaftler. Und möglicherweise haben die Nasa-Instrumente bei ihrer Suche nach Leben vor 20 Jahren nur nicht exakt genug gemessen.

Was genau in dem staubtrockenen Boden Südamerikas vorgeht, können allerdings auch die neuen Untersuchungen nicht erklären. Die Forscher sind dennoch zuversichtlich, mit Hilfe des Testgeländes "Atacama-Wüste" nun bessere Experimente für die Suche nach marsianischem Leben konstruieren zu können.

Alexander Stirn



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