"Lunar Reconnaissance Orbiter" Satellit liefert hochaufgelöste Wärmekarte des Mondes

Die Nasa-Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" hat mit der detaillierten Kartierung des Mondes begonnen. Erste Daten liegen bereits vor. Eine detaillierte Temperaturkarte der Pole zeigt extrem kalte Stellen. Dort vermuten Forscher Wassereis.


Washington - Die Test- und Kalibrierungsphase ist vorbei, verkündete die Nasa am Donnerstag. Jetzt beginne der Satellit "Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO) mit der detaillierten Erfassung der Mondoberfläche. "Die Instrumente, das Raumschiff und die Technik auf der Erde arbeiten praktisch fehlerfrei", sagte Craig Cooley vom LRO-Team des Goddard Space Flight Center in Greenbelt.

Eine Vorahnung auf die umfangreichen Messdaten, die der Orbiter während seiner auf ein Jahr terminierten Mission noch liefern wird, geben die jetzt publizierten Wärmekarten des Mondes. Sie beruhen auf Messungen der Infrarotstrahlung mit dem Instrument Divine Lunar Radiometer. Ähnlich wie bei Wärmekameras, mit denen Gebäude untersucht werden, lässt sich aus den Daten eine Temperaturkarte des Mondes erstellen.

Noch sind nur Teile der Oberfläche erfasst, aber insbesondere auf dem Südpol haben die Forscher bereits interessante Entdeckungen gemacht. Dort registrierte das Divine-Instrument in Kraterbereichen, die permanent im Schatten liegen, extrem kalte Temperaturen von minus 238 Grad Celsius. "Diese Temperaturen gehören, so weit wir wissen, zu den niedrigsten je im Sonnensystem gemessenen", erklärte David Paige von der University of California in Los Angeles.

Für jene Stellen an den Polen, die niemals ein wärmender Sonnenstrahl erreicht, interessieren sich die Forscher besonders, denn dort könnte sich Wassereis verbergen. "Wir können davon ausgehen, dass es dort definitiv kalt genug ist, damit sich Wassereis ansammeln kann", sagte Paige. Die Existenz derartiger Kältefallen sei schon vor 50 Jahren vorhergesagt worden. Nun könne man dank LRO erfahren, wie sie auf dem Mond verteilt seien und welche Werte die Temperaturen erreichten.

Suche nach Landeplätzen

Die LRO-Sonde war am 18. Juni gestartet worden und knapp fünf Tage später auf eine Mondumlaufbahn eingeschwenkt. Der Orbiter umkreist den Mond in etwa 50 Kilometern Höhe. Am 30. Juni wurden die Kameras aktiviert, wenige Tage später zeigte die Nasa die ersten Fotos. Die jetzt veröffentlichten Wärmekarten beruhen auf Messungen aus dem August und der ersten Septemberhälfte.

Ziel der fast 500 Millionen Euro teuren Mission ist die Kartierung des Mondes auf 50 Zentimeter genau. Der "Lunar Reconnaissance Orbiter" soll auch Landestellen für spätere bemannte Flüge erkunden, wenngleich die Zukunft des Nasa-Mondprogramms völlig unklar ist.

Am 9. Oktober ist ein ganz besonderes Experiment geplant: Ein etwa eine Tonne schwerer Einschlagskörper soll vom Orbiter abgetrennt werden, um dann im Sturzflug zuerst den Aufprall der letzten Raketenstufe auf der Mondoberfläche mit Kameras und weiteren Messinstrumenten zu erfassen, bevor er selbst auf dem Erdtrabanten zerschellt. Die Wissenschaftler hoffen, dass dabei Gesteinsmaterial aus der Mondoberfläche herausgeschleudert wird und sich eine große Wolke aus Mineralen bildet, die mit speziellen Instrumenten untersucht werden kann.

hda



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