Satellitenbild der Woche Wasser im Kreis

Kreisrunder See mit Insel - das zeigt ein Schnappschuss aus dem All. Doch hinter der Satellitenaufnahme steckt eine spannende Geschichte. Denn der See ist das Ergebnis einer kosmischen Kollision.
"Sentinel-1A"-Aufnahme: Stausee in Kanada

"Sentinel-1A"-Aufnahme: Stausee in Kanada

Foto: Copernicus Sentinel data (2015)/ESA 

Zerklüftete Landschaft mit kleinen Inselchen, dazu tiefblaues Wasser. Was fast so aussieht wie die Schärenküsten in Skandinavien, liegt tatsächlich in Kanada - tief im Landesinneren und weit weg vom nächsten Ozean.

Das Bild zeigt den nordwestlichen Teil des Manicouagan-Stausees und die darin liegende René-Levasseur-Insel. Das bekannte ringförmige Gewässer entstand in einem Meteoriten-Einschlagkrater und liegt etwa 800 Kilometer nördlich von Montreal in der Provinz Québec. Der Meteoritenkrater - einer der größten und ältesten der Erde - ist der Überrest eines gewaltigen Zusammenstoßes vor über 214 Millionen Jahren. Kurz nach dem Einschlag war der Krater sogar noch etwas größer - sein Durchmesser betrug einst etwa hundert Kilometer. Davon sind heute aufgrund von Sedimentation und Erosion nur noch etwa 70 übrig geblieben.

Die Erhebung des kreisrunden Kraters entstand vermutlich durch die ungeheure Energiefreisetzung, die hier zu einer Rückfederung des Bodens geführt hat. In der Mitte des Kraters konnte sich so ein sogenannter Zentralberg bilden - der höchste Punkt auf der René-Levasseur-Insel ist der 952 Meter hohe Mont Babel. Auf der Erde entstehen solche Erhebung in der Kratermitte gewöhnlich erst bei einem Durchmesser von zwei bis vier Kilometern.

Das Bild hat der Esa-Satellit "Sentinel-1A" gefunkt - der erste Satellit, der für das Copernicus-Programm im April 2014 ins All geschossen wurde. Der 2,2-Tonnen-Koloss beobachtet aus seiner Umlaufbahn heraus per Radar vor allem vulkanische Aktivitäten, Erdbeben, Erdrutsche und Überschwemmungen. Um die Unterschiede der Oberflächen hervorzuheben, wurde das Bild nachträglich eingefärbt: Die blauen Töne zeigen Eis- und Wasser an, die gelben und orangefarbenen Farbabstufungen deuten auf unterschiedliche Vegetationsarten hin.

Erst in den Sechzigerjahren wurde der Manicouagan-See aufgestaut, um die Wasserkraft für die Produktion von Elektrizität zu verwenden. Die Daniel-Johnson-Talsperre, die damals gebaut wurde, ist mit einer Länge von über 1300 Metern eine der größten der Erde. Heute befinden sich zwei Wasserkraftwerke mit insgesamt zwölf Turbinen an der Mauer.

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joe
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