Manöver geglückt Kometensonde holt Schwung bei der Erde

Für die lange Reise zu einem Kometen hat sich die Esa-Sonde "Rosetta" neue Bewegungsenergie geholt. Sie passierte gestern Abend die Erde in nur 5300 Kilometer Abstand, um ein sogenanntes Swing-by-Manöver auszuführen.


Darmstadt - Das Vorbeischwingen verlief genau nach Plan. Am gestrigen Abend um 21.57 Uhr näherte sich die europäische Sonde "Rosetta" mit einer Geschwindigkeit von 45.000 Kilometern pro Stunde der Erde südwestlich von Chile auf 5300 Kilometer. "Rosetta" nutzte die Schwerkraft der Erde, um mehr Geschwindigkeit für ihren noch langen Flug zu einem Kometen zu bekommen. "Durch das Manöver beschleunigt die Sonde um rund 10.000 Kilometer pro Stunde auf 126.000 Kilometer pro Stunde relativ zur Sonne", sagte Andrea Accomazzo, Leiter der Mission im Europäischen Satellitenkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt. Der Vorbeiflug diente jedoch nicht nur dazu, Schwung zu holen, er veränderte zugleich auch die Flugbahn.

Die drei Tonnen schwere Sonde der Europäischen Raumfahrtagentur Esa war im März 2004 gestartet. Sie soll den 480 Millionen Kilometer entfernten Kometen Tschurjumow-Gerasimenko 2014 erreichen und ihn dann im Parallelflug auf seinem Weg in Richtung des inneren Sonnensystems folgen. Geplant ist auch, dass "Rosetta" ein Landegerät auf dem Kometen absetzt, das dann dessen Oberfläche untersucht.

Von den gewonnenen Daten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse zur Beschaffenheit von Kometen. Bei den auch Schweifstern genannten Himmelskörpern handelt es sich um Überreste jenes Urnebels, aus dem vor rund 4,6 Milliarden unser Sonnensystem entstand. Forscher vermuten im Inneren von Kometen komplexe Moleküle, die möglicherweise einst die Entstehung des Lebens auf der Erde beförderten.

"Rosettas" Vorbeischwungmanöver war bereits das zweite dieser Art an der Erde seit dem Start der Sonde. Ein ähnliches Manöver hatte es zuletzt Anfang dieses Jahres am Mars gegeben. Alle diese Manöver sind notwendig, um die Sonde zu beschleunigen und auf den richtigen Kurs zu bringen. Ein letztes Swing-By-Manöver an der Erde ist für November 2009 geplant.

Die Sonde, die sich in den vergangenen Tagen rasant Richtung Erde bewegte, hatten Astronomen des Minor Planet Center (MPC) in den USA kurzzeitig sogar für einen Asteroiden gehalten. Die Organisation, die für die Erfassung von Asteroiden, Kleinplaneten und Kometen zuständig ist, meldete vergangene Woche ein potentiell gefährliches Objekt, das mit rund 43.000 Stundenkilometern auf die Erde zurase und unseren Planeten um nur knapp 12.000 Kilometer verfehlen werde. Wenig später gab der MPC kleinlaut Entwarnung.

Bis zur Ankunft am Kometen Tschurjumow-Gerasimenko soll Rosetta noch zwei weitere Aufgaben erfüllen: 2008 und 2010 plant die Esa, mit der Sonde zwei Asteroiden im sogenannten Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter zu untersuchen.

hda/ddp/dpa



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