Marathon im All Drei Mal um die Welt in 42 Kilometern

Astronautin Sunita Williams konnte nicht zum Boston-Marathon: Sie musste auf der Internationalen Raumstation Dienst schieben. Darum schnallte sie sich einfach in der Schwerelosigkeit auf ein Laufband und schaute DVDs vom Streckenverlauf. Sie kam nach über vier Stunden ins Ziel.


42,16 Kilometer gelaufen und drei Mal die Erde umkreist - auch wenn ihre Zeit auch für Amateure eher im Mittelfeld liegt, ist wohl niemand mit einem Marathonlauf soweit gekommen wie Sunita Williams. Die Nasa-Astronautin an Bord der International Weltraumstation (ISS) schnallte sich über dem Pazifik auf ein Laufband, das sie 4 Stunden, 23 Minuten und 46 Sekunden wieder verließ, als die ISS Russland überflog. An dem Laufband hatte sie die Startnummer 14.000 befestigt, auf einem Laptop neben dem Sportgerät liefen DVDs der Strecke des Boston-Marathons.

Diese Massenlaufveranstaltung fand zeitgleich am Montagmittag (Ortszeit) knapp 350 Kilometer weiter unten auf der Erdoberfläche im US-Bundesstaat Massachussets statt. Die Bodenkontrolle hielt die 41-jährige Williams über die Zwischenzeiten von Freundinnen auf dem Laufenden, die im Starterfeld von Boston unterwegs waren.

Die Nasa-Astronautin Karen Nyberg war in Boston dabei und überquerte die Ziellinie nach gut dreieinhalb Stunden. Ihre Schwester, Dina Pandya, brauchte knapp viereinviertel Stunden. Insofern konnte Williams die mildere Umgebung auf der Raumstation nicht nutzen, um ihren Freunden davonzulaufen. Statt 25 Grad Celsius Lufttemperatur und Schwerelosigkeit hatten die Läufer am Boden nämlich mit den Nachwehen eines Frühlingssturms zu kämpfen.

Die anderen ISS-Astronauten ließen Williams kleine Orangenstückchen entgegenschweben und feuerten sie an. Als die Digitalanzeige des Laufbandes die Marathondistanz von 42,16 Kilometern anzeigte, war die US-Astronautin erschöpft. "Wow, bin ich fertig", sagte sie der Bodenkontrolle in Houston.

Am Boden hatte nach 2 Stunden, 29 Minuten und 18 Sekunden die russische Läuferin Lidiya Grigoryeva das Rennen gewonnen. Bei der Siegerehrung spielten die Veranstalter jedoch die falsche Nationalhymne. Dieser Lapsus geschah bereits zum zweiten Mal, nachdem im Jahr 2003 schon einmal eine Russin den Boston-Marathon gewonnen hatte und mit der falschen Hymne geehrt worden war.

stx/AP/rtr



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