Mars-Bilder "Perfekter Sturm" fasziniert die Astronomen

In den letzten Monaten tobte auf dem Mars der größte Sandsturm seit Jahrzehnten. Um das Rekord-Unwetter zu erforschen, haben Astronomen ihre besten Späher auf den Roten Planeten gerichtet.



Auf der Erde wäre der Sturm, der in den vergangenen drei Monaten über die Marsoberfläche fegte, wohl verheerend. Ende Juni bemerkten die Astronomen die ersten, noch bescheidenen Verwirbelungen. Doch in der Folgezeit erfasste das Unwetter, das von den begeisterten Forschern als "perfekter Sturm" tituliert wird, den gesamten Planeten.

Um den größten Staubsturm seit Jahrzehnten angemessen zu dokumentieren, haben die Planetologen zwei bewährte Späher im Einsatz: das Weltraumteleskop Hubble  und die Sonde "Mars Global Surveyor" . "Dies ist eine Gelegenheit, die nur einmal im Leben kommt", schwärmt James Bell von der Cornell University, ein Mitglied des Hubble-Teams. "Wir haben mit diesen zwei Raumfahrzeugen einen phänomenalen Blick auf den Roten Planeten."

Das Hubble-Teleskop hatte bereits am 26. Juni beobachtet, wie sich rund um den Hellas-Krater auf der Südhalbkugel ein Sturm zusammenbraute. Damals ahnten die Astronomen noch nicht, welches Ausmaß das Unwetter zwei Monate später annehmen sollte. Auf der zweiten hoch auflösenden Aufnahme, die am 4. September entstand und nun veröffentlicht wurde, ist der Planet fast völlig in Staub gehüllt. Das Anwachsen des Sandsturms haben die Wissenschaftler auch in bewegten Bildern simuliert.

Während das Hubble-Teleskop zwei Momentaufnahmen lieferte, ist der "Mars Global Surveyor", der den Mars seit 1997 umkreist, derzeit im Dauereinsatz. Mit dem Thermal Emission Spectrometer  an Bord der Raumsonde messen die Astronomen täglich die Temperatur und den Staubgehalt der Marsatmosphäre. Aus den Daten montierten sie jetzt eine Animation, welche die Entwicklung des Sandsturms in den letzten Wochen verdeutlicht.

Die Mars Orbiter Camera, die an klaren Tagen gestochen scharfe Aufnahmen der Marsoberfläche liefert, bekam zuletzt häufig nur Staubschleier vors Visier. Anhand ihrer Bilder konnten die Astronomen jedoch genau die Entstehung des Unwetters verfolgen. "Dies ist nicht ein einzelner, kontinuierlicher Sturm, sondern eine Serie kleinerer Stürme, die über den gesamten Planeten verteilt sind", erklärt Mike Malin, dessen Firma Malin Space Science Systems für das Instrument verantwortlich ist.

Wie die Kamera zeigte, hatte der planetare Staubschleier seinen Ursprung im Gebiet des Hellas-Kraters. Die dortigen Turbulenzen stimulierten Stürme in Tausenden Kilometer Entfernung, so Malin. Diese wiederum breiteten sich äußerst schnell entlang des Mars-Äquators aus - ein Phänomen, das dem Forscher zufolge bislang noch nicht beobachtet wurde.

Den Sturm in einer frühen Phase zeigt eine beeindruckende Panorama-Ansicht der Mars Orbiter Camera vom 8. Juli. Das Foto zeigt, wie eisige Winde vom gefrorenen Südpol aus den Staub fast bis zum Äquator treiben. Ein kleinerer Sandsturm tobt zum Zeitpunkt der Aufnahme nordwestlich des Vulkans Ascraeus Mons, der als dunkle Ellipse in der oberen Bildhälfte zu erkennen ist.

Mittlerweile ist der Sturm schwächer geworden - nach mehr als drei Monaten. Der Grund dafür sind gravierende Klimaveränderungen auf dem Roten Planeten: Der feine Staub in der Atmosphäre absorbiert das Sonnenlicht, die oberen Schichten haben sich deshalb um mehr als 25 Grad Celsius erwärmt. Gleichzeitig ist die Temperatur auf der verhangenen Marsoberfläche deutlich zurückgegangen. Durch diese Abkühlung verliert der Wind an Kraft, der feine Staub sinkt langsam wieder zu Boden.

Allerdings könnte dem ersten Sturm durchaus noch ein zweiter folgen, wie die planetaren Meteorologen aus Erfahrung wissen. Derzeit nähert sich der Mars dem sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn. Ist die Atmosphäre zu diesem Zeitpunkt wieder klar, könnte die ungefilterte Strahlung starke Winde entstehen lassen, die den Staub erneut aufwirbeln.

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