Sonde misst Methan Life on Mars?

Gibt es Leben auf dem Mars? Neue Messungen einer europäischen Sonde könnten ein Hinweis auf das Vorkommen von Bakterien sein.

"Mars Express" (künstlerische Darstellung) vor einem realen Bild der Marsoberfläche
AFP / Esa / ATG medialab; Mars: Esa / DLR / FU Berlin

"Mars Express" (künstlerische Darstellung) vor einem realen Bild der Marsoberfläche


Die europäische Sonde "Mars Express" hat Methan auf dem Mars nachgewiesen. Sie bestätigt damit Messungen des amerikanischen Roboterautos "Curiosity". Weil das Gas ein Hinweis auf Leben auf dem Roten Planeten sein könnte, ist der Fund für Wissenschaftler interessant. Es könnte allerdings auch durch geologische Prozesse freigesetzt werden. Zur Frage, woher das gemessene Methan im konkreten Fall stammt, gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse.

Im Fachmagazin "Nature Geoscience" berichten Forschende um Marco Giuranna vom Istituto Nazionale di Astrofisica in Rom über Messungen, die bereits am 16. Juni 2013 stattgefunden haben. Allerdings war erst bei einer neuen Analyse der Daten aufgefallen, dass ein Messgerät von "Mars Express" damals tatsächlich Methan gefunden hatte.

Die Sonde umkreist den Roten Planeten in mindestens 240 Kilometer Höhe. Die nachgewiesenen Methanmengen sind extrem gering: rund 16 Moleküle des Gases auf eine Milliarde andere Moleküle (ppb) der extrem dünnen, vor allem aus Kohlendioxid bestehenden Marsatmosphäre. Zur Einordnung: Die Methankonzentration in der deutlich dichteren Erdatmosphäre liegt bei rund 720 ppb.

Nachweis nur an einem Tag

Spannend ist, wann und wo der Fund gelang: in der Nähe des Gale-Kraters, einen Tag nachdem dort bereits der Nasa-Roboter "Curiosity" das Gas an der Oberfläche gemessen hatte - übrigens in noch geringerer Konzentration von rund 6 ppb. Interessant ist außerdem, dass das Methan nur an diesem einen Tag aus dem Orbit nachgewiesen werden konnte, obwohl sich die Messungen über insgesamt mehr als anderthalb Jahre erstreckt hatten.

Wie kam es nun zur Freisetzung des Gases? Die Wissenschaftler haben dazu keine definitive Antwort, präsentieren aber einige Indizien. Aus ihrer Sicht stammt das Methan aus einer Region etwa 500 Kilometer östlich des Gale-Kraters. Dort gibt es in einer Formation namens Aeolis Mensae mehrere Störungszonen. Geologische Prozesse dort könnten nun dafür gesorgt haben, dass eine im Boden verborgene Schicht von Eis zerbrochen ist - und dabei das Methan an die Oberfläche kam. Auch der Einschlag eines Meteoriten könne zur Zerstörung des Eises geführt haben.

Jahreszeitliche Schwankungen

Das Team beschreibt aber nicht, wie das Gas ursächlich entstanden ist. Es könnte im Prinzip das Stoffwechselprodukt von Bakterien sein, das ist der auf der Erde häufigste Entstehungsweg. Möglich sind aber auch andere Prozesse, etwa bei der Verwitterung von bestimmten Gesteinen.

Der Mars-Rover "Curiosity" hat nach der ersten Messung immer wieder Methan nachweisen können. Dabei fielen den Forschern sogar jahreszeitliche Schwankungen auf. Direkte Hinweise auf eine biologische Entstehung des Gases gibt es aber auch hier nicht.

Allerdings hat der Roboter zumindest organische Verbindungen im Marsgestein gefunden. Sie könnten ein Hinweis darauf sein, dass wenigstens früher einfaches Leben auf dem Mars existiert hat. Im Gale-Krater dürften Nasa-Erkenntnissen zufolge vor etwa 3,8 bis 3,1 Milliarden Jahren Bedingungen geherrscht haben, die man auf der Erde als lebensfreundlich ansehen würde.

Die Wissenschaftsteams der vergleichsweise neuen europäischen Sonde "ExoMars Trace Gas Orbiter" haben bisher noch nicht von einem Methanfund berichtet. Die Instrumente an Bord könnten womöglich helfen, biologisch von geologisch entstandenem Gas zu unterscheiden. Nach einem Bericht der britischen Zeitung "Guardian" sollen in der kommenden Woche Ergebnisse vorgestellt werden.

chs



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