"Mars-Express"-Fotos Eisscholle auf dem Mars entdeckt

In einem Mars-Krater hat die europäische Sonde "Mars Express" eine große Fläche Wassereis fotografiert. Die Stereokamera der Sonde hatte die Aufnahmen bereits im Februar zur Erde gesendet. Die nun veröffentlichten Bilder zeigen eine glatte, kreisförmige Fläche am Nordpol des roten Planeten.


Kosmisches Spiegelei: Reines Wassereis am Nordpol des Mars
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Kosmisches Spiegelei: Reines Wassereis am Nordpol des Mars

Es ist nicht das erste Mal, dass Wissenschaftler auf gefrorenes Wasser auf dem Mars stoßen. Schon 2004 hatte die Sonde "Mars Express" große Mengen Eis unter der Oberfläche des Südpols lokalisiert. Demnach bestünde der Boden dort aus einer Mischung aus Eis und Staub. Nach Angaben französischer Astrophysiker soll diese Schicht bis zu drei Kilometer dick und bis zu 400 Kilometer breit sein. Auch die US-Sonde "Mars Odyssey", die schon seit 2001 den Mars umrundet, hatte bereits 2002 gefrorenes Wasser im Norden und Süden des Planeten nachgewiesen.

Doch die nun veröffentlichten Aufnahmen sind trotz allem spektakulär: Denn die Eisfläche, die wie eine Pupille im Auge des Kraters liegt, scheint aus Wassereis in reiner Form zu bestehen. Gefrorenes Kohlendioxid, das sonst die Nordpolkappe und das Wassereis bedeckt, ist zu dieser Jahreszeit schon verdampft und in der Atmosphäre aufgelöst. Im Mars-Sommer erreichen die Temperaturen auf dem roten Planeten bis zu 20 Grad Celsius.

Die Eisfläche liegt etwa 200 Meter über dem Kraterboden, wahrscheinlich auf einem Plateau. Das Eis selbst ist nur wenige Dezimeter dick: Unter dem Eis erhebt sich vermutlich ein großes Dünenfeld, von dem man die Randgebiete noch unter dem Eis erkennen kann. Der Krater hat einen Durchmesser von 35 Kilometern und liegt in der nördlichen Tiefebene "Vastitas Borealis".

Das reflektierende, weiße Wassereis setzt sich von dem roten Marsstaub deutlich ab. Es kann sich im Krater ganzjährig halten, da die Temperaturen nicht ausreichen, um es verdampfen zu lassen. "Man muss sich das vorstellen wie bei uns auf der Erde, wo Eis im Schatten von Berghängen ganzjährig liegen bleibt", sagte René Pischel vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Auch auf der Innenseite des Kraters befinden sich noch Reste von Wassereis.

Die Aufnahmen waren schon im Februar 2005 von einer Spezialkamera an Bord der "Mars Express" geschossen worden. Doch die Auswertung der Datenmengen und die Aufbereitung der Bilder seien extrem aufwendig, sagt Pischel. Die Sonde "Mars Express" umkreist seit Dezember 2003 den Mars und sucht die Oberfläche und die Atmosphäre des roten Planeten nach Wasser und Spuren von Leben ab.

Im nächsten Schritt werden die Fotos nun mit den Daten weiterer Messinstrumente verglichen, etwa dem französischen Spektrometer "Omega". "Wir wissen noch nicht, ob es sich um junges oder altes Eis handelt", erklärte Pischel. Erst in den kommenden Monaten wird sich damit das Rätsel um die Eispupille vollständig lösen lassen.

Jens Radü



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