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09. August 2005, 10:08 Uhr

Mars-Mission

Vierte Mars-Sonde abschussbereit

Hochbetrieb auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral: Der Shuttle "Discovery" ist kaum gelandet, schon soll die nächste Mission starten. Der "Mars Reconnaissance Orbiter" fliegt jedoch unbemannt zum roten Planeten, um hochauflösende Bilder der Mars-Oberfläche zu schießen.

"Mars Reconnaissance Orbiter" (Zeichnung): Die Sonde wird im März 2006 ihre Umlaufbahn um den Mars erreichen
AP

"Mars Reconnaissance Orbiter" (Zeichnung): Die Sonde wird im März 2006 ihre Umlaufbahn um den Mars erreichen

Am nächsten Mittwoch schon soll der Countdown für den zwei Tonnen schweren Orbiter abgezählt werden. "Es wird Zeit, dass wir den Mars aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten", sagte Projektmanager James Graf vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena.

Dazu hat die Sonde neben einer hochauflösenden Kamera auch ein Radar an Bord, das bis zu 500 Meter unter der Oberfläche des Mars nach Spuren von Wasser suchen kann. Andere Instrumente können Mineralien analysieren und die täglichen Wetteränderungen aufzeichnen.

In einer Umlaufbahn um den roten Planeten soll der "Mars Reconnaissance Orbiter" zunächst die Oberfläche des Mars abtasten auf der Suche nach möglichen Landeplätzen für künftige Roboter-Missionen, die innerhalb der nächsten zehn Jahre auf dem Erdnachbarn aufsetzen sollen.

Die Auflösung der Kamera, die die bislang schärfsten Bilder der rostroten Marsoberfläche schießen soll, ist sechsmal so hoch wie die der Kameras an Bord der derzeitigen Orbiter. Trotz der großen Anzahl von Marsfotos, die während der verschiedenen Missionen entstanden sind, seien erst zwei Prozent des Mars hochauflösend fotografiert, erklärte die Nasa.

Wie die bisherigen drei Raumsonden, die den Mars umrunden, unter ihnen auch die europäische Raumsonde "Mars Express", soll auch der "Mars Reconnaissance Orbiter" darüber hinaus nach Spuren von Wasser und anderen Hinweisen auf mögliches Leben auf dem Mars suchen. Die Mission, die nach Nasa-Angaben etwa 580 Millionen Euro kosten wird, dient außerdem als Kommunikationsverbindung, um die Datenübermittlung zur Erde zu sichern.

"Es gibt noch viele unbeantwortete Fragen über den Mars", sagte der Projektwissenschaftler Richard Zurek. Mit ihren detailgenauen Aufnahmen und Gesteinsanalysen wird die Sonde die zwei Landemissionen vorbereiten, die in den nächsten vier Jahren geplant sind: Sowohl das Mobil "Phoenix Mars" als auch das "Mars Science Laboratory" wollen 2007 und 2009 auf dem Mars aufsetzen.

Vierte Mars-Sonde: Der Orbiter wird voraussichtlich am morgigen Mittwoch ins All geschossen
DPA

Vierte Mars-Sonde: Der Orbiter wird voraussichtlich am morgigen Mittwoch ins All geschossen

Doch zuvor gilt es auch noch, das Schicksal der zurückliegenden Missionen zu klären: Der "Mars Reconnaissance Orbiter" wird versuchen, die vom Unglück verfolgten Raumfahrzeuge "Mars Polar Lander" und "Beagle 2" aufzuspüren. Beide Landeeinheiten hatten 1999 und 2003 während des Landemanövers den Kontakt zur Erde verloren.

Nachdem der "Mars Reconnaissance Orbiter" die Oberfläche des Mars flächendeckend fotografiert hat, soll die Sonde als interplanetare Kommunikationszentrale weiter um den Mars kreisen. Mit einer hochverstärkenden Antenne an Bord kann sie bis zu zehn Mal mehr Daten pro Minute Richtung Erde senden, als das bisherige Satelliten-Trio im Mars-Orbit zusammen. "Statt einem Gartenschlauch werden wir in Zukunft einen Feuerwehrschlauch für die Datenübermittlung haben", erklärte Graf.

Doch der "Mars Reconnaissance Orbiter", der voraussichtlich im März nächsten Jahres die Umlaufbahn des roten Planeten erreichen wird, wird vorerst auch der letzte künstliche Mars-Trabant sein, zumindest in diesem Jahrzehnt. Nach Budgetkürzungen hat die Nasa eine geplante, 400 Millionen Euro teure Mission im Jahr 2009 ersatzlos gestrichen.

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