Auf dem Mars Weihnacht rot-weiß

Ein kreisrunder Krater, rötliche Erde und eine glatte Eisschicht: Diese Landschaftsaufnahme ist fast zu kitschig, um real zu erscheinen. Dabei stammt sie nicht mal von unserem Planeten.

Korolev-Krater
ESA

Korolev-Krater


Derzeit schauen die Astronomen gebannt auf die Bewegungen der Marssonde "InSight". Das 360 Kilogramm schwere Gerät hat in dieser Woche per Roboterarm das erste Messinstrument, einen Seismografen, auf dem Roten Planeten abgesetzt. "Das ist ein fantastisches Weihnachtsgeschenk", freute sich Nasa-Projektmanager Tom Hoffmann über die gelungene Aktion.

Weihnachtlich muten auch die Aufnahmen eines anderen Mars-Messgeräts an. Seit fast 15 Jahren sendet die Sonde "Mars Express" Bilder und Daten von dem Planeten. Sie umkreist ihn auf einer elliptischen Bahn mit einem Minimalabstand von etwa 300 Kilometern.

Mit der High Resolution Stereo Camera (HRSC) von "Mars Express", die hochauflösende und räumliche Darstellungen ermöglicht, entstand diese beeindruckende Aufnahme des Korolev-Kraters. Das Foto ist aus fünf verschiedenen Aufnahmen zusammengesetzt worden, teilte die Esa mit.

Korolev-Krater aus der Luft
ESA

Korolev-Krater aus der Luft

Der Korolev-Krater hat laut Esa einen Durchmesser von 82 Kilometern. Er befindet sich im nördlichen Tiefland des Mars. Benannt wurde er nach dem legendären sowjetischen Raketeningenieur Sergej Pawlowitsch Koroljow. Er ist ein Pionier der russischen Raumfahrttechnik und hat den Vorläufer der "Sojus"-Raketen entwickelt, die bis heute im Einsatz sind.

Der Korolev-Krater ist das ganze Jahr über mit einer bis zu 1,8 Kilometer dicken Schicht aus Wassereis gefüllt, denn in seinem Inneren liegen die Temperaturen dauerhaft sehr niedrig. Offenbar sorgen hier sehr kalte Atmosphäreschichten für eine Art Kältefalle. Und die trotzt auch dem Wechsel von Sommer und Winter. Denn ähnlich wie auf der Erde gibt es auch auf dem Mars Jahreszeiten.

Fotostrecke

5  Bilder
Mars Express Bilder: Gletscherreste unter den Marsgebirgen

Der fast kreisrunde Gletscher in dem Einschlagkrater kommt mit seiner gewölbten Eiskuppe auf ein Volumen von fast 2200 Kubikkilometern. Das entspricht etwa einem Zehntel der Ostsee, berichtet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das die Kamera von "Mars Express" betreibt.

Zwar ist der direkte Nachweis von Wasser auf dem Mars bisher nicht gelungen. Doch Eis findet sich auf dem Roten Planeten an etlichen Stellen. Auch die beiden Polkappen bestehen aus einer Mischung aus Kohlendioxid- und Wassereis. Am Nordpol des Mars ist sie im Winter immer etwas dicker. Hier entsteht dann eine bis zu zwei Meter mächtige Schicht aus Kohlendioxideis, es ist ähnlich wie Trockeneis.

Und selbst auf einigen Dünen auf dem Mars haben Forscher schon Eis entdeckt. Erst im letzten Jahr hatte die Nasa-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) Aufnahmen davon gesendet.

joe

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